Obama gewinnt bei Katholiken neue Wähler

Das zeigt eine Analyse der US-Präsidentschaftswahlen nach Religionen – Benedikt XVI. gratuliert künftigem Staatschef

Rom/Washington (DT/KNA/om/sei) Papst Benedikt XVI. und Kirchenvertreter aus aller Welt haben dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert und Gottes Segen gewünscht. In einem Telegramm habe der Papst Obama und dessen Familie seines Gebets versichert, damit er zum Aufbau einer Welt in „Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit“ beitrage, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch vor Journalisten. Das Kirchenoberhaupt habe die Wahl als „historisch“ bezeichnet. Die US-Bischöfe erklärten, die Wahl komme in einer schwierigen Zeit. Die Bischöfe beteten für Obama, dass er seine Macht besonders für den Schutz der Schwächsten und die Überwindung der Spaltungen in den USA und der Welt einsetze, schreibt der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Francis George. Die Bischöfe stünden zur Zusammenarbeit für den Schutz des Lebens und der Würde jedes Menschen bereit.

Unter den katholischen Wählern in Amerika hat eine Mehrheit sich für den künftigen Präsidenten entschieden, wie aus Analysen des auf Religionsumfragen spezialisierten „Pew Forums“ mit Sitz in Washington hervorgeht. Demnach stimmten Amerikas Katholiken, die 27 Prozent der Wähler stellen, mit 54 Prozent mehrheitlich für Obama gestimmt. Für John McCain votierten 45 Prozent. Damit konnte der Demokrat im Vergleich zu 2004 in dieser Wählergruppe sieben Prozentpunkte hinzugewinnen. Bei weißen Katholiken hingegen lag nach diesen Analysen McCain mit 52 Prozent gegenüber 47 Prozent leicht vorn.

Ähnlich wie die weißen Katholiken haben laut „Pew Forum“ die Protestanten gewählt, die 54 Prozent der Gesamtwählerschaft ausmachen. 45 Prozent von ihnen stimmten für Obama, 54 Prozent hingegen gaben John McCain ihre Stimme. Besonders großen Rückhalt hatte McCain laut „Pew Forum“ unter den weißen Protestanten. 65 Prozent von ihnen wünschten sich einen republikanischen Präsidenten. Unter Evangelikalen und wiedergeborenen Christen stimmten sogar 73 Prozent für McCain. Der Anteil der Evangelikalen an der Gesamtwählerschaft macht 23 Prozent aus.

Enorme Zustimmung fand Obama unter Nicht-Christen. Ähnlich wie schon 2004 stimmten 78 Prozent der jüdischen Wähler für den demokratischen Kandidaten. Allerdings beträgt ihr Anteil an der Wählerschaft nur zwei Prozent. Auch 73 Prozent der Angehörigen anderer Religionen wie Islam oder Buddhismus – die insgesamt sechs Prozent der Wähler stellen – stimmten für Obama, so die Erhebungen des „Pew Forum“. Für McCain wollten sich nur 22 Prozent entscheiden. Noch höhere Zustimmungswerte fand Obama mit 75 Prozent schließlich unter religionslosen Wählern. Ihr Anteil an der Wählerschaft beträgt 11 Prozent.

Als generelle Faustregel lässt sich aus den Erhebungen des Washingtoner Instituts lesen: Je weißer die Befragten sind und je häufiger sie – vor allem christliche – Gottesdienste besuchen, desto häufiger haben sie für John McCain gestimmt.

Besorgt zeigten sich katholische Lebensschützer vom Ausgang der Wahlen. Austin Ruse, Präsident der bei den Vereinten Nationen (UNO) tätigen Nichtregierungsorganisation C-Fam, erwartet, dass die Obama-Administration sich wieder verstärkt den bevölkerungspolitischen Programmen der UNO zuwenden wird – sprich Verhütung und Abtreibung. Wörtlich sagte er in seinem wöchentlichen Newsletter: „Da steht uns Ärger bevor.“