Obama erklärt sich zum Sieger

Hillary Clinton unterliegt im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur – Spekulationen um Vizepräsidentschaft

Washington (DT/dpa) Erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten kandidiert aller Voraussicht nach ein Schwarzer für das Amt des Präsidenten der mächtigsten Nation der Welt. Nach einem fünfmonatigen Duell mit der früheren First Lady Hillary Clinton erklärte sich Senator Barack Obama in der Nacht zum Mittwoch zum Sieger des Vorwahl-Marathons der Demokraten. Kurz zuvor hatte der 46-Jährige die zur Nominierung beim Parteitag Ende August notwendige Schwelle von 2 118 Delegiertenstimmen übersprungen.

Obama erklärte in St. Paul (Bundesstaat Minnesota): „Heute Abend kann ich vor Euch treten und Euch sagen, dass ich der Kandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl sein werde.“ In einer leidenschaftlichen Rede rief der Senator – Sohn eines Kenianers und einer weißen Amerikanerin – zum politischen Wandel in den Vereinigten Staaten auf. „Dies ist unsere Zeit, dies ist unsere Chance, eine neue Seite aufzuschlagen“, sagte er vor 20 000 jubelnden Anhängern.

Seine Konkurrentin Clinton hielt sich die Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen offen. In der Presse wurden neue Spekulationen laut, die 60-Jährige werde bei der Präsidentenwahl am 4. November als Obamas Vize antreten. In New York sagte sie: „Ich werde mich mit Unterstützern und der Parteiführung beraten, wie es weitergeht.“ Vor ihren Anhängern betonte die frühere First Lady: „Die fast 18 Millionen Menschen, die für mich gestimmt haben, müssen gehört und gesehen werden.“

Am Dienstag fanden auch die beiden letzten Abstimmungen des Vorwahlkampfes statt, der genau vor fünf Monaten in Iowa begonnen hatte. In South Dakota konnte sich Clinton mit 55 Prozent der Stimmen durchsetzen, in Montana Obama nach Auszählung fast aller Stimmen mit 57 Prozent. Obama konnte nach Berechnungen des Fernsehsenders CNN damit nach den letzten beiden Vorwahlen insgesamt 2 156 Delegiertenstimmen auf sich vereinen. CNN sprach von einem „historischen Tag“.

Obama rief in seiner Rede eindringlich zur Einheit der Partei auf und lobte seine Konkurrentin Clinton. „Lasst uns beginnen, zusammenzuarbeiten und uns zu einen, um gemeinsam die Zukunft Amerikas zu verändern“, sagte Obama. Er gratulierte Clinton zu der „Art und Weise, wie sie diese Wahlkampagne geführt hat“. Sie sei eine „politische Führerin, die Millionen von Amerikanern inspiriert“.

Zugleich kursierten Spekulationen, dass Obama und Clinton im weiteren Wahlkampf zusammenfinden könnten. Medienberichten zufolge erklärte sich die Senatorin am Dienstag bereit, für den Posten der Vizepräsidentin zu kandidieren. Führende Politiker der Demokraten hatten immer wieder erklärt, nach dem heftigen Vorwahlkampf gehe es jetzt darum, die Einheit der Partei zu sichern. Anhänger Obamas sehen eine Vizepräsidentschaft Clintons jedoch äußerst skeptisch, weil sie einen zu großen Einfluss ihres Mannes Bill fürchten.

Designierter Gegner Obamas im Rennen um das Weiße Haus ist der Republikaner McCain. Der Senator aus Arizona soll Anfang September auf dem Parteitag der Republikaner offiziell zum Kandidaten gekürt werden. De facto hat er die Nominierung seit Monaten sicher. McCain bezeichnete Obama als „beachtlichen Gegner“ im Rennen um das Weiße Haus. „Ich bin aber bereit für diese Herausforderung“, sagte er im US-Staat Louisiana. Zugleich wies der Senator aus Arizona Angriffe Obamas zurück, er werde lediglich die Politik von George W. Bush fortsetzen.