Abuja/Chibok

Nigeria: Erneut Christen umgebracht

Wieder wütet Boko Haram während der Weihnachtstage. Häuser und Kirche niedergebrannt. Premier Johnson und Prinz Charles rufen zur Solidarität mit verfolgten Christen auf.

Sieben Menschen sterben bei Terrorangriff in Nigeria.
In Nigeria sind an Weihnachten sieben Menschen durch die Terrorgruppe Boko Haram getötet worden. Immer wieder kommt es an christlichen Feiertagen zu Anschlägen gegen Christen. Unser Archivbild aus dem Juli 2019 zeigt schwelende Asche und verkohlte Gegenstände in Badu bei Maidugu... Foto: Audu Marte (AFP)

Blutige Weihnachten in Nigeria. Gerade an christlichen Feiertagen  kommt es in dem bevölkerungsreichsten Land des Kontinents immer wieder zu Anschlägen der radikal-islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Sieben Menchen wurden diesmal an Weihnachten getötet.  Die Dschihadisten griffen das mehrheitlich von Christen bewohnte Dorf Kwarangulum im Bundesstaat Borno im Nordosten des Landes an. Dutzende Kämpfer auf Lastwagen und Motorrädern hätten am späten Heiligabend  das 16 Kilometer von der Stadt Chibok entfernte Dorf gestürmt, flüchtende Einwohner erschossen und eine junge Frau entführt, berichteten örtliche Medien. Ebenso hätten sie Häuser und eine Kirche niedergebrannt sowie Lebensmittelvorräte geplündert. 

Die Schreckensbilanz von Boko Haram: Mehr als 20.000 Tote, Millionen auf der Flucht 

Seit 2009 verbreitet Boko Haram Angst und Schrecken. Mehr als 20.000 Tote gehen auf ihr Konto, Millionen sind vor der Gewalt geflohen. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte die Entführung von über 270 Schulmädchen  aus dem Ort Chibok. Noch immer ist nichts über den Verbleib von rund 100 von ihnen bekannt.  

Einen wichtigen Stützpunkt hat die Terrorbewegung in der Stadt Maiduguri im Bundesstaat Borno, wo die Bewegung im Jahr 2002 von dem islamischen Prediger Mohammed Yusuf gegründet wurde. Im Juli 2009 wurde Yusuf nach heftigen Gefechten vom Militär festgenommen und starb unter umstrittenen Umständen im Militärgewahrsam. Das Militär behauptet, er sei bei einem

Fluchtversuch erschossen worden, Menschenrechtsorganisationen gehen dagegen von einer außergerichtlichen Hinrichtung aus. Boko Haram bedeutet so viel wie „westliche Bildung ist verboten“. So wird die Gruppe in Nigeria genannt. Die radikal-islamische Bewegung bezeichnet sich selbst als „Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad“ und verfolgt das Ziel, im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen islamischen Staat auf der Grundlage von Koran und Scharia zu errichten.

Gezielte Terroranschläge gegen Christen und moderate Muslime

Ursprünglich war Boko Haram eine islamistische Schlägertruppe, die politische Gegner einschüchtern sollte. Hinter dieser Taktik standen mächtige politische Kräfte, die die Islamisierung Nigerias vorantreiben wollten. Inzwischen hat sich Boko Haram zu einer hochgerüsteten Terrororganisation mit eigener Agenda entwickelt. Sie unterhält Kontakte zu islamistischen Terrorgruppen in verschiedenen Ländern und geht gezielt gegen Christen und ihre Einrichtungen sowie gegen moderate Muslims vor. 

 2014 hatte Boko Haram in Chibok 276 Schülerinnen entführt, was weltweite Empörung auslöste und internationale Aufmerksamkeit auf die Gruppe lenkte. Boko Haram und und deren Ableger, der „Islamische Staat“ in der westafrikanischen Provinz (ISWAP), haben kürzlich die Angriffe auf militärische und zivile Ziele verstärkt. Bereits im April hatte Boko Haram das Dorf Kwarangulum angegriffen und es komplett niedergebrannt. Den Einwohnern war die Flucht gelungen, nachdem Beobachter sie vor den nahenden Kämpfern gewarnt hatten. Bereits im April hatte Boko Haram das Dorf Kwarangulum angegriffen und es komplett niedergebrannt. Den Einwohnern war die Flucht gelungen, nachdem Beobachter sie vor den nahenden Kämpfern gewarnt hatten. Bei dem jahrzehntelangen Konflikt im Nordosten Nigerias wurden 36 000 Menschen getötet, rund eine Million verloren ihr Zuhause, erklärten die Vereinten Nationen. 

Nigerias Armee gibt sich immer wieder siegesgewiss und vermittelt in der Öffentlichkeit den Eindruck, eine Zerschlagung der Terrorbewegung stünde unmittelbar bevor. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen warnt dagegen davor, die radikal-islamistische Gruppe in Nigeria zu unterschätzen und vorschnell ihre Zerschlagung zu verkünden. 

Johnson: Wir stehen den Christen weltweit solidarisch zur Seite

Bereits vor den Weihnachtstagen hatte das internationale Hilfswerk „Kirche in Not“ vor Anschlägen  gegen Christen während der Feiertage gewarnt. Gegenüber der „Tagespost“ hatte der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland, Florian Ripka, gesagt: Die Erfahrung der letzten Monate habe gezeigt, dass Gewalt immer und überall möglich sei. „Auf der ganzen Welt sind Christen bevorzugtes Ziel gewalttätiger militanter Extremisten, die grenzüberschreitend operieren.“ Aus Anlass des Gebetstages für verfolgte Christen am 26. Dezember hatte Ripka mehr Solidarität mit den verfolgten und bedrängten Glaubensgeschwistern in vielen Teilen der Welt gefordert.  

Auch der britische Thronfolger Prinz Charles hatte auf das zunehmende Leid und die Verfolgung von Christen weltweit hingewiesen und zur Solidarität aufgerufen. In einer exklusiven Weihnachtsbotschaft hatte sich Charles an die Wohltäter und Projektpartner von „Kirche in Not“ gewandt und sich dabei ausdrücklich auf den Bericht „Verfolgt und vergessen?“ bezogen, mit dem „Kirche in Not“ über die Brennpunkte der Christenverfolgung informiert. In seiner Botschaft sagte der britische Thronfolger, zum Fest der Geburt Jesu Christi sei es von entscheidender Bedeutung, „dass wir an all jene denken, die aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt werden.“

Ebenso hatte der britische Premierminister Boris Johnson in seiner Weihnachtsansprache an die die verfolgten Christen erinnert. Diese müssten Weihnachten im Geheimen oder sogar im Gefängnis begehen: „Als Premierminister möchte ich das ändern. Wir stehen den Christen weltweit solidarisch zur Seite. Wir werden euer Recht verteidigen, damit ihr euren Glauben praktizieren dürft." In seiner Ansprache hob Johnson hervor, an Weihnachten werde in erster Linie die Geburt Jesu Christi gefeiert. Dieser Tag habe unschätzbare Bedeutung für Milliarden von Christen auf der ganzen Welt.

Auch die Königin von England hatte in ihrer traditionellen Weihnachtsansprache ausdrücklich auf die christliche Weihnachtsbotschaft Bezug genommen und mit Blick auf das Kind von Bethlehem zu Schritten der Versöhnung und Verständigung aufgerufen. Jesus Christus habe der Welt gezeigt, dass kleine Schritte - in Glaube und Hoffnung gegangen - in einer Welt der Streitigkeiten, Kriege und tiefsitzender Spaltungen Friede und Versöhnung möglich machten.

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