Nigeria: Bischöfe fordern Dialog

Würzburg (DT/KNA) Angesichts der jüngsten Anschlagsserie in Nigeria rufen die deutschen katholischen Bischöfe zu einem „konstruktiven Dialog“ in dem afrikanischen Land auf. Gemeinsam mit ihren nigerianischen Amtsbrüdern appellierten sie am Mittwoch an die Regierung in Abuja, dabei auch Vertreter von Christentum und Islam mit einzubeziehen. Zugleich warnte der in Würzburg tagende Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz vor einseitigen Urteilen. Die Eskalation der Gewalt sei „nicht allein“ auf Spannungen zwischen Christen und Muslimen zurückzuführen. Auslöser für Unruhen sei in der Vergangenheit beispielsweise auch eine Erhöhung der Benzinpreise gewesen.

Am Wochenende wurden bei mehreren Anschlägen in Nigeria mindestens 180 Menschen getötet. Die islamistische Gruppe Boko Haram bezeichnete sich als Urheber der Bombenattentate auf Polizeistationen und andere öffentliche Einrichtungen in der Stadt Kano. Darüber hinaus wurden am Sonntag im Bundesstaat Bauchi erneut Bombenanschläge auf zwei Kirchen verübt. Bereits am vergangenen Weihnachtsfest war es zu Anschlägen auf Kirchen gekommen.

Die deutschen Bischöfe zeigten sich besorgt über die „Hilflosigkeit der Regierungsstellen im Umgang mit den wachsenden Sicherheitsproblemen“. Mit militärischer Gewalt allein seien die Konflikte allerdings nicht zu lösen. In einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebten, gelte es vor allem, die Sozial- und Bildungspolitik zu reformieren. Nigeria ist mit rund 155 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Über die Hälfte der Einwohner bekennt sich zum Islam; vor allem der Norden ist fast ausschließlich islamisch geprägt. Der Anteil der Christen in Nigeria wird mit 40, teils mit über 48 Prozent angegeben.