Hanau

Nach Anschlag in Hanau: Bischöfe bekunden Solidarität

„Fassungslos“, „erschüttert“, „sprachlos“: Mehrere katholische deutsche Bischöfe verurteilen die Gewalttat von Hanau, bei der zehn Menschen mutmaßlich aus fremdenfeindlichem Motiv erschossen wurden. Und sie fordern Konsequenzen.

Nach Schüssen in Hanau - Gedenken
Am Mittwochabend hatte ein 43-jähriger Deutscher an mehreren Orten in der hessischen Stadt Hanau zehn Menschen und sich selbst erschossen. Nach Angaben des hessischen Innenministers handelte der Täter mit einem fremdenfeindlichen Motiv. Im Bild: Kerzen und Blumen liegen in der N... Foto: Nicolas Armer (dpa)

Mehrere katholische deutsche Bischöfe haben den Anschlag von Hanau verurteilt und Konsequenzen gefordert. Die Tat mache ihn „fassungslos“, erklärte der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Seine Gedanken und Gebete seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. „Immer wieder erleben wir hasserfüllte und menschenverachtende Taten, bei denen sich ein rechtsextremistischer Hintergrund herausstellt“, so Marx. In vielerlei Gestalt werde eine Tendenz zu einem ausgrenzenden und aggressiven Nationalismus und Rassismus sichtbar, „der aus christlicher Perspektive durch nichts zu rechtfertigen ist“, betonte der Erzbischof von München und Freising.


Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zeigte sich über den Kurzmitteilungsdienst Twitter „erschüttert“ von dem Anschlag. Er bete für die Getöteten, trauere mit den Angehörigen und erbitte der Stadt Hanau „Trost, Frieden und Zusammenhalt“, äußerte sich Schick von Kenia aus, wo er sich gerade mit muslimischen und christlichen Gruppen trifft. Auch der Passauer Bischof Stefan Oster nahm über Twitter Stellung: „Sprachlos wg. Hanau! Wie kommt so viel Dunkelheit in das Herz eines Menschen?“, fragte er. Er sei „schweigend, fragend, klagend“ im Gebet – bei den Toten und den Trauernden.


Am Mittwochabend hatte ein 43-jähriger Deutscher an mehreren Orten in der hessischen Stadt Hanau zehn Menschen und sich selbst erschossen. Nach Angaben des hessischen Innenministers handelte der Täter mit einem fremdenfeindlichen Motiv. Im Internet veröffentlichte er ein Bekennerschreiben. Zudem soll er in einem im Netz veröffentlichten Video eine rassistische Gesinnung und Verschwörungstheorien offenbart haben. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen des Verdachts auf eine terroristische Gewalttat.

Timmerevers wünscht sich Rückgrat der Menschen im Land

Auch der Fuldaer Bischof Michael Gerber zeigte sich betroffen von der Tat: Seine Gefühle seien „bei den Menschen, die zu Opfern geworden sind, bei den Überlebenden, bei den Angehörigen und auch bei den vielen Einsatzkräften, die sich jetzt bemühen“, erklärte er im Gespräch mit „Vaticannews“. In Hanau und auch im Bistum Fulda  gebe es einen sehr hohen Migrantenanteil. Für die katholische Kirche sei es wichtig, „hier Erfahrungsräume und Begegnung zu schaffen“.

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers nannte die Gewalttat in einem bei Facebook veröffentlichten Statement „abscheulich“. Diese sei ausdrücklich zu verurteilen. Wenn der Tat tatsächlich  eine rechtsextreme Motivation zugrunde liege, dann müsse das schockieren: „Der Mord an Walter Lübke, die abscheuliche Tat in Halle und die gestrige Nacht fragen uns als Gesellschaft an: Sind wir sensibel genug, wenn Hass auf andere Religionen und Kulturen unser Miteinander zu durchdringen droht?“ Er wünsche sich ein Rückgrat der Menschen im Land, jede Sprache und Methode zu entlarven, die einer solchen Gewalttat den Vorhof biete.

DT/mlu

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