Na zdraví und skaal!

So manche nüchterne Bilanz ist, nüchtern genossen, ziemlich ernüchternd

Von Stephan Baier

Pünktlich zum Beginn der Starkbierzeit erreichen uns berauschende Nachrichten von den 365 Tage pro Jahr ausgetragenen Bier-Weltmeisterschaften: Die großen Aufsteiger sind die Österreicher, die im Bierkonsum 2008 die Deutschen überholt haben – noch nicht im Gesamtverbrauch, aber immerhin schon pro Kopf. Mit 109 Liter pro Einwohner liegt Österreich um eine Maß vor Deutschland, wobei hier noch gar nicht eingerechnet wurde, wie schlecht in Münchner Biergärten die Maß eingeschenkt wird. Aber bei Wettbewerbsverzerrungen sind die Deutschen ohnehin unschlagbar. Dass sie beim Kaffeekonsum quantitativ auf Platz Eins liegen, rührt bekanntlich auch nur daher, dass man in Deutschland das Wasser nicht zum Kaffee, sondern in diesem serviert.

Aber wenden wir uns wieder dem Biere zu. Bierologen haben eine einleuchtende Erklärung dafür, warum Deutschland die Silbermedaille im Bierkonsum an Österreich abtreten musste. Es lag an der Fußball-EM! – Vergebliche Doping-Versuche österreichischer Spieler? Nein, das österreichische Publikum weiß, dass Bier im Gegensatz zu Klopapier beidseitig verwendbar ist: Vorher trinkt man sich Mut an; hinterher spült man den Frust hinunter. Genau hier finden wir vermutlich die Erklärung dafür, dass die Tschechische Republik beim Bierkonsum mit 160 Liter pro Kopf unangefochten an der Spitze liegt. Da kann es, wie in der Vorwoche, schon mal passieren, dass der Regierungschef im Parlament grinsend den Ausnahmezustand über das Land verhängt, und das nachher als Humor entschuldigt. Für ihre EU-Ratspräsidentschaft haben sich die Tschechen ausreichend Mut angetrunken. Sollten sie nicht über ganz Europa den Ausnahmezustand verhängen, können sie am 1. Juli die Führung ernüchtert an Schweden übergeben. Dann folgt das Frust-Trinken. Kein Zweifel: Tschechien bleibt Weltmeister.