Moskau will aufrüsten

Russlands Verteidigungsminister wirft USA und NATO vor, „ihr Angriffspotenzial“ aufzubauen – Neue Feuerpause für Aleppo

Minsk/Moskau (DT/dpa) Russland droht mit Aufrüstung an seiner Westgrenze als Antwort auf die größere NATO-Präsenz in Osteuropa. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte in Minsk vor hohen Militärs der verbündeten Staaten Russland und Weißrussland: „An den westlichen Grenzen unserer Staatenunion bauen die USA und andere NATO-Mitglieder aktiv ihr Angriffspotenzial auf.“ Amerika lasse nicht nach, anderen Ländern politisch, wirtschaftlich und militärisch seinen Willen aufzuzwingen, sagte er der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch. „Diese Handlungen untergraben die strategische Stabilität in der Region und zwingen Russland, Gegenmaßnahmen zur Verteidigung zu ergreifen, auch an seiner Westflanke.“

Die NATO will ihrerseits als Antwort auf die wiedererstarkte russische Militärmacht 4 000 Soldaten in die baltischen Staaten entsenden. In Litauen wird die Bundeswehr ab 2017 den Kern dieser Zusatztruppe stellen. Schoigu nannte in seiner Rede keine Zahlen. Nach früheren Angaben will Russland die Truppen entlang seiner Westgrenze um etwa 30 000 Mann aufstocken.

Das russische Militär hat zugleich für Freitag eine weitere Feuerpause für die umkämpfte syrische Stadt Aleppo angekündigt. Generalstabschef Waleri Gerassimow rief Kämpfer der Opposition auf, den abgeriegelten Ostteil der Stadt über zwei Korridore zu verlassen. „Von diesen werden Soldaten und Waffen der Regierung abgezogen“, sicherte er zu. Um Zivilisten und Verwundete aus der Stadt zu bringen, seien weitere sechs Korridore offen, sagte Gerassimow am Mittwoch in Moskau. Die Feuerpause solle von 9 bis 19 Uhr Ortszeit dauern. Nach bisherigen Erfahrungen von UN und Hilfswerken haben die humanitären Pausen in Aleppo nie genügend Sicherheit geschaffen, um der Bevölkerung zu helfen.