Mit Kostunica in die Isolation

Der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica hat am Samstag mit seinem Rücktritt Neuwahlen provoziert und damit einen Schlussstrich unter die lange schwelende Regierungskrise gezogen. Im Kern geht es dabei nicht um die Kosovo-Frage, denn hier sind sich Kostunica und Präsident Boris Tadic einig: Keiner ist bereit, auf das Kosovo zu verzichten, denn die politische Klasse Serbiens sieht im Kosovo das Herz der Nation. Unterschiedlicher Auffassung sind beide jedoch darüber, wie Serbien auf jene Entwicklung reagieren soll, gegen die es sich mit allen Kräften stemmte, ohne sie verhindern zu können: auf den zunächst faktischen und nun auch offiziellen Verlust des Kosovo.

Tadic will nicht von seinem Kurs abrücken, Serbien näher an die Europäische Union heranzuführen. Er weiß, dass sein Land sich nur durch die Kooperation mit dem vereinten Europa wirtschaftlich und letztlich auch politisch stabilisieren kann. Kostunica dagegen lehnt jegliche Zusammenarbeit mit allen Staaten ab, die die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannten, also auch mit Amerika und der Mehrzahl der EU-Mitglieder. Um der völligen Isolation zu entgehen, schmiedete Kostunica eine enge Zusammenarbeit mit Russland und China, auch wenn dies zum Ausverkauf seines Landes führt.

Milosevics gewaltsamer Nationalismus führte Serbien in eine Sackgasse, doch Kostunica will diesen Weg mit anderen Mitteln weitergehen. Sein Nationalismus macht jede Kooperation mit den Nachbarn in der Region, aber auch mit der Europäischen Union unmöglich. Schlimmer: Indem er jenen großserbischen Nationalismus bedient, der zwischen 1995 und 1999 mehrfach gescheitert ist, wurde Kostunica zum Zündler an den Pulverfässern Südosteuropas. Solange er eine politische Rolle spielt, ist mit Explosionen zu rechnen. sb