Merkel vertraut Bundespräsident

Berlin (DT/dpa) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erneut klar hinter den in der Kritik stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff gestellt. „Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt“, sagte Merkel am Montag am Rande eines Besuchs der Bundeswehrsoldaten im Kosovo. Es sei richtig und wichtig, dass die Unterlagen zu den Vorgängen eingesehen werden könnten und alles für die Aufklärung getan werde. „Ansonsten hat der Bundespräsident mein vollstes Vertrauen.“ Wulff steht wegen seiner früheren engen Beziehungen zu vermögenden Unternehmern in der Kritik. Seit Montag können Journalisten die Unterlagen für den umstrittenen 500 000-Euro-Kredit, den eine Unternehmer-Gattin dem Ehepaar Wulff für den Kauf eines Hauses gewährt hat, in einer Berliner Anwaltskanzlei einsehen. Am Sonntag hatte der Bundespräsident zudem über seine Anwälte eine Liste mit Urlauben veröffentlichen lassen, die er als niedersächsischer Ministerpräsident bei befreundeten Unternehmern gemacht hat.

Die SPD hat derweil vom Bundespräsidenten persönlich vollständige Aufklärung über seine früheren engen Beziehungen zu vermögenden Unternehmern gefordert. Es zeuge von einem „merkwürdigen Amtsverständnis“, dass der CDU-Politiker sich in seiner Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen fast jedes Jahr zu Urlauben von Freunden habe einladen lassen, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag in Berlin. Man lerne schon in der Jungen Union, dass man so etwas nicht machen dürfe, fügte sie hinzu. Nach Ansicht von Nahles hat die Öffentlichkeit deshalb ein Anrecht auf ein „klares, persönliches Wort“ des Staatsoberhaupts. Es reiche nicht aus, dieses Verhalten jetzt auf die juristische Ebene zu schieben. Dies passe zu Wulffs „Hinhaltetaktik, was die Wahrheit angeht“. Die SPD-Politikerin erklärte: „Ich erwarte, dass er sich der Verantwortung stellt.“