Menschenrechtler kritisieren Peking

Peking (DT/dpa) Am 19. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking haben Menschenrechtler die Regierung zu einer Aufarbeitung der damaligen Ereignisse aufgefordert. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ sprach sich zudem für die Freilassung von Journalisten und Internetautoren aus. Sie sitzen wegen ihrer Beiträge über die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in chinesischen Gefängnissen. Reporter ohne Grenzen, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzen, kritisierten am Mittwoch außerdem die Zensur in China, die eine Auseinandersetzung über die damaligen Vorgänge verbiete. Die Organisation forderte das Internationale Olympische Komitee IOC auf, sich vor Beginn der Spiele im Sommer in Peking für die Freilassung der Häftlinge einzusetzen.

Bei dem Massaker waren einige hundert Menschen getötet worden, tausende wurden inhaftiert. „Die chinesische Regierung muss aufhören, die Geschichte dessen, was am 4. Juni 1989 passiert ist, schönzufärben“, erklärte die Direktorin der Organisation „Human Rights in China“, Sharon Hom. „Eine Neubewertung des 4. Juni ist etwas, was China tun muss, um wirklich in die internationale Gemeinschaft aufgenommen zu werden und sich zu modernisieren.“ Die Demokratiebewegung wird von der Kommunistischen Partei offiziell als „konterrevolutionärer Aufstand“ bezeichnet. Eine ganze Generation junger Chinesen sei wegen der offiziellen Kontrolle der Informationen über „ihre eigene Geschichte“ im Unklaren.

Die Gruppe „China Human Rights Defenders“ mahnte eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge im Juni 1989 sowie eine Verurteilung der Verantwortlichen an. Sie beklagte außerdem Versuche der Pekinger Behörden, ein Gedenken an die Opfer zu verhindern. Demnach habe die Polizei unmittelbar vor dem Jahrestag Aktivisten unter Hausarrest oder verstärkte Aufsicht gestellt. Einige seien über mehrere Stunden befragt und aufgefordert worden, keine Artikel zu dem Massaker und den Olympischen Spielen zu veröffentlichen.