Meisner äußert sich zu Wulff

Köln (DT/dpa/KNA) Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat Bundespräsident Christian Wulff den Rücktritt nahegelegt, falls die Vorwürfe gegen ihn zutreffen. Wenn ihn als Kirchenmann solche Anschuldigungen zu Recht treffen würden, „müsste ich meinen Hirtenstab abgeben, dann müsste ich resignieren“, sagte Meisner am Dienstagabend im WDR-Fernsehen. In diesem Falle müsste er sein Versagen eingestehen und sagen: „Ich bin ein armer Sünder.“ Zugleich betonte der Erzbischof, dass er nicht beurteilen könne, ob die Vorhaltungen gegenüber Wulff zutreffen. Weiter sagte Meisner, dass er den Bundespräsidenten nicht darum beneide, in dieser Situation die Weihnachtsansprache zu halten. Würde er sich in einer ähnlichen Lage befinden, „dann würde ich sagen: Jetzt vergessen sie mal meine Goldmitra und mein schönes Messgewand. Ich bin ein armer Sünder, habe versagt, hab' mich bestechen lassen – ich weiß nicht, ob das stimmt so, aber ich sage das manchmal so – und aus dieser Situation spreche ich jetzt zu euch: Seid nicht so wie ich.“

Wulff, der seit mehreren Tagen wegen eines Privatkredits in der Kritik steht, hat unterdessen Rückendeckung nach Kanzlerin Angela Merkel auch von Verteidigungsminister Thomas de Maiziere Rückendeckung erhalten. „Ich habe volles Vertrauen zu diesem Bundespräsidenten“, sagte der CDU-Politiker der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte ebenso ein Ende der Debatte wie die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt. „Aus Respekt vor dem Amt sollte die Diskussion unverzüglich eingestellt werden“, sagte diese der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Wulff habe in den letzten Tagen einen beachtlichen Beitrag zur Aufklärung der gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe geleistet. FDP-Generalsekretär Patrick Döring bezeichnete die jüngsten Vorwürfe wegen einer privat finanzierten Anzeigenkampagne für ein Wulff-Buch als haltlos.