Mehr als Drei

Es sind nicht nur Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn: Insgesamt wollen neun Kandidaten für den CDU-Vorsitz antreten – Ein Überblick. Von Sebastian Sasse

Matthias Herdegen
Matthias Herdegen kritisiert den Migrationspakt. Foto: dpa
Matthias Herdegen
Matthias Herdegen kritisiert den Migrationspakt. Foto: dpa

Er war mutiger als die Favoriten: Andreas Ritzenhoff. Der hessische Unternehmer warf schon seinen Hut in den Ring, als Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn noch abgewartet haben. Sie meldeten sich erst, nachdem die Kanzlerin erklärt hatte, nicht mehr für den CDU-Bundesvorsitz kandidieren zu wollen. Ob die Delegierten diesen Mut zu schätzen wissen? Reale Chancen hat Ritzenhoff nicht wirklich, aber immerhin beschert ihm die angekündigte Kandidatur eine öffentliche Aufmerksamkeit, die er sonst nicht hätte: sowohl innerhalb der Partei, aber natürlich auch über sie hinaus.

Ritzenhoffs Thema: der UN-Migrationspakt. Noch Anfang der Woche hatte er gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe betont, der Vertrag berge schwere handwerkliche Mängel. An vielen Stellen sei der Vertrag unklar und könne daher zu einer „Flut von Prozessen“ führen. Zudem könne er, da von einigen anderen europäischen Staaten abgelehnt, zu einer Spaltung der EU führen. Mittlerweile haben sich zwar Union und SPD auf einen gemeinsamen Antrag geeinigt, der den Pakt befürwortet und aller Wahrscheinlichkeit heute vom Bundestag verabschiedet wird. Doch gerade das könnte unter Pakt-kritischen Parteitagsdelegierten den Unmut noch erhöhen und vielleicht dann in Hamburg zu einer Denkzettel-Wahl führen. Zumal sich Jens Spahn wie Fredrich Merz bisher zurückgehalten haben.

Auch ein anderer, der CDU-Bundesvorsitzender werden wollte, hat den Migrationspakt zu seinem Thema gemacht. Matthias Herdegen, renommierter Juraprofessor an der Universität Bonn, hatte überraschend Anfang November seine Kandidatur wieder zurückgezogen. Das öffentliche Interesse an seiner Meinung weiß der Experte für Völkerrecht auch zu nutzen. Auch er warnt deutlich vor den juristischen Folgen, die der Vertrag nach sich ziehen könnte, zuletzt Anfang der Woche in einem großen Interview mit der „Welt“.

Diese Beispiele zeigen: Der Kampf um den Parteivorsitz hat die Diskussion innerhalb der Union vorangetrieben. Spannend wird nun sein, ob Kandidaten wie Ritzenhoff oder Herdegen, auch wenn sie keine Chance auf den Vorsitz haben, sich doch auch künftig in der Partei zu Wort melden. Spannend ist hier vor allem das Verhalten der Merkel-Kritiker unter den Favoriten, also Friedrich Merz oder Jens Spahn. Einen oder vielleicht sogar gleich beide in das eigene Team zu lotsen, könnte Stimmen bei den Delegierten bringen.