Macht muss doch einfach Spaß machen!

„Emma“ enthüllt exklusiv: Die Bundeskanzlerin kann Johannisbeerkuchen backen

Von Stephan Baier

Das alte Schlachtross des Feminismus, es reitet noch! Wenn Alice Schwarzer für „Emma“ die Bundeskanzlerin „diesmal im Kanzleramt“ zum Interview bittet, muss es um die Machtfrage gehen. Wie eine feministische Rakete kommt die Frage: „Frau Bundeskanzlerin, Sie gelten als die mächtigste Frau der Welt. Das muss doch Spaß machen.“ Zu den Worten „mächtig“ und „Spaß“ stellen Sie sich bitte das Gesicht von Alice Schwarzer vor. Danke.

Aber Frau Merkel hat keinen Spaß, nicht einmal an dieser Frage. Eine Antwort wie eine Schlaftablette: „Es macht Freude, Dinge durchsetzen zu können...“. Gütiger Himmel! Da fragt die alte Kämpferin ihre Kanzlerin nach Spaß und kriegt laue Freude serviert. „Emma“-Leser(innen) dürfen erwarten, dass die Kanzlerin die Augen zukneift und flüstert: „Unter uns, Schwester: Es ist verdammt cool, wenn all die Jungs nach Deiner Pfeife tanzen!“ Stattdessen Blabla zum Klimaschutz.

Kein Wunder, dass das Gespräch rasch landet, worüber Frauen beim Friseur halt reden: Da geht es um Frisur, Kleidung und Hausarbeit. Sie habe „als Bundeskanzlerin eine Visagistin, die mir hilft... die Frisur muss zwölf Stunden halten“, labert Merkel. Ist es das, wofür Alice Schwarzer jahrelang gekämpft hat? Für das Frauenrecht auf eine Visagistin? Für die Dauerfrisur einer Kanzlerin, die keine Lust hat, alle zwei Stunden ihre Nase zu pudern? Für einen Kanzlergatten, der bei internationalen Konferenzen am Damenprogramm teilnehmen darf? Das „Emma“-Interview offenbart die Tristesse des real existierenden Feminismus: verkörpert durch eine Kanzlerin, die mit ihrem Mann diskutiert, wer wann welche Waschmaschine anstellt, und ihm freitags einen Einkaufszettel schreibt. Um sich und ihn nicht zu überfordern, haben Kanzlers „eine Haushaltshilfe“. Vermutlich weiblich und nicht „Emma“-Leserin.