Leitartikel: Vorboten eines Währungskrieges

Friedrich von Westphalen. Foto: DT
Friedrich von Westphalen. Foto: DT

Es gibt keine anderen politischen Institutionen, die mit dem gesprochenen Wort so sehr Politik machen wie die Notenbanken. Für die auf jede Nuance lauschenden Finanzmärkte sind ihre Worte bereits Taten. Das konnte jeder erleben, als Mario Draghi 2012 den Euro allein durch die Aussage stabilisierte, die EZB werde alles tun, um mit dem Kauf von Staatsanleihen die Krise zu dämpfen. Ähnlich war es, als jüngst die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, beim Ausblick auf die künftige Politik ihrer Bank davon sprach, die FED werde die weitere Konjunktur „geduldig“ abwarten, bevor die Zinsschraube angezogen werde. Die Finanzmärkte reagierten sofort: Ihre Prognosen gehen nun davon aus, dass die FED etwa im Juni eine erste Anhebung der Zinsen verfügen wird. Der Grund: Die US-Konjunktur belebt sich zusehends, was sich selbst auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Mit der Neuausrichtung der Politik der FED wäre der bislang zu beobachtende Gleichklang der Nullzinspolitik, in den auch Japan eingewoben ist, zerstört. Während sich das Zinsniveau im Euroraum an der Nullschwelle bewegt und die EZB ihr massives Kaufprogramm von Staatsanleihen in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro noch lange fortsetzen wird, fährt Washington bald eine Politik des rentierlicheren Zinses.

Das hat dramatische Auswirkungen. Die im Vergleich zum Euroraum höheren Dollar-Zinsen ziehen Investoren an. Der Dollar ist ohnehin eine starke Währung. Und je mehr Geld, das auf den Finanzmärkten im Überfluss vorhanden ist, in den Dollarraum fließt, desto schwächer wird der Euro. Allerdings fördert dies auf der anderen Seite die aus dem Euroraum stammenden und in Euro fakturierten Exporte. Gleichzeitig werden die aus dem Dollarraum fließenden Exporte – als Importe in Dollar fakturiert – ständig teurer. Die Angst vor einem Währungskrieg erhält damit neue Nahrung. Die Notenbanken sorgen sich indessen nur um die Geldpolitik. Doch wenn Währungsdisparitäten zu erheblichen Verzerrungen der jeweiligen Handelsbilanzen führen, sind die wirtschaftlichen Interessen des Euroraums und die des Dollarraums unmittelbar betroffen. Daran werden auch die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen wenig ändern. Schon jetzt ist die Stimmung hier gereizt. Und es stehen noch mehr Verstimmungen ins Haus, weil die EZB die Schwächung des Euro noch für mindestens 18 Monate in Kauf nimmt, um Wachstum zu fördern und die grassierende Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Die eigentlich Leidtragenden aber sind die Schwellenländer. Denn wenn in Washington die Zinsen steigen, werden die dort derzeit noch platzierten Finanzmittel wegen des inhärenten höheren Risikos dieser Länder abgezogen werden. Sie fehlen dann für die dort unerlässlichen Investitionen. Auch Gelder aus dem Euroraum werden in den Dollarraum übersiedeln. Daran werden auch die zurzeit noch lukrativ erscheinende Aktienkurse – vor allem im deutschen DAX – auf Dauer nichts ändern. Während die aus dem Euroraum nach Washington wandernden Gelder hierzulande ersetzt werden können, sind die Schwellenländer – vor allem in Lateinamerika – dazu nicht in der Lage. Das wird die Konjunktur dort schwächen und die ohnedies schon beträchtlich hohe Inflation weiter anheizen.