Leitartikel: Trump und das Ende einer Ära

Von Oliver Maksan

Oliver Maksan. Foto: DT

Eine Ära, die 1989 begann, geht zu Ende. Die wirtschaftliche und politische Globalisierung wird wenigstens nicht länger ohne Widerspruch bleiben. Sie hat ihre fast naturgesetzliche Unaufhaltbarkeit verloren, die ihr bislang innewohnte. Mit Donald Trump ist der Führer der freien Welt künftig erstmals niemand, der das Credo aufsagt, das seit George Bush Senior alle Amtsinhaber im Weißen Haus geteilt haben: dass die Welt wirtschaftlich und politisch immer weiter integriert werden müsse. Was nach dem vom demokratischen Kapitalismus unter amerikanischer Führung gewonnenen Kalten Krieg begann und durch jedes Freihandelsabkommen, jede Liberalisierung bei der Migration und mit dem Internet auch technologisch-kulturell zementiert wurde, ist jetzt von der Mehrheit der amerikanischen Wähler wenigstens vorläufig gestoppt worden. Denn anders als weite Teile auch des republikanischen Establishments ist Trump trotz seiner programmatischen Unkonturiertheit in vielen Feldern eines ganz dezidiert nicht: ein Globalist. Es sieht Amerika als einen Globalisierungsverlierer, das keine Kontrolle über seine Grenzen hat, das gleichzeitig als Weltpolizist aber übermäßige Bürden zu tragen hat. Das will er ändern. Und deswegen ist er auch gewählt worden – keineswegs nur von abgehängten weißen Männern, mochte das auch mantra-mäßig und mit einer gewissen Herablassung wiederholt worden sein. Sie allein hätten schlicht nicht ausgereicht, um den Chefsessel im Weißen Haus zu gewinnen.

In weiten Teilen der Welt ist man jetzt überrascht und geschockt. Kaum jemand hielt es für möglich, dass ein Kandidat wie Trump Präsident werden würde. Doch spätestens sein Siegeszug bei den innerparteilichen Vorwahlen machte deutlich, dass Trump auf einer Welle surft, die er nicht ausgelöst hat, die er aber zu beherrschen verstand wie keiner seiner Konkurrenten. Und dass ihm die Demokraten mit Hillary Clinton die denkbar beste Gegnerin präsentiert haben – eine Inkarnation des Establishments – tat schließlich das Übrige, um ihn mit einem deutlichen Sieg ins Weiße Haus zu tragen.

Bange fragt sich jetzt nicht nur die unterlegene Hälfte des US-Elektorats, was sie erwartet. Wie schon Obama wird Trump sehr schnell merken, dass die US-Verfassung auch dem mächtigsten Mann der Welt klare Verfahrensgrenzen setzt. Trump wird deshalb auf das von ihm verachtete Parteiestablishment genauso zugehen müssen wie dieses auf ihn, will er regieren können. Sollten sie zueinander finden, wird Trump durch die republikanische Mehrheit in beiden Häusern aber gute Voraussetzungen haben, sein Programm zu verwirklichen. In jedem Falle wird Trump ein gespaltenes Land anführen. Er kann und wird kein Versöhner sein. Doch diese Spaltung gab es schon vorher. Niemand hat sie stärker befördert als Barack Obama, der sein Land mit unbeirrbarem Sendungsbewusstsein gesellschaftspolitisch nach links rückte. Weil viele wertesensible US-Katholiken unter einer Präsidentin Clinton mehr vom selben erwartet hätten, haben sie und vor allem Evangelikale mehrheitlich Trump ihre Stimme gegeben. Als glaubwürdigen Vertreter von Familienwerten können sie ihn aufgrund seiner Rhetorik und seines Charakters dabei aber kaum angesehen haben.

Oliver Maksan. Foto: DT