Leitartikel: Das Geschenk für den Papst

Von Markus Reder

Leitartikel: Die Unruhe wächst

Am Montag begeht Benedikt XVI. seinen 85. Geburtstag. Dieser Geburtstag ist ein besonderer Grund, dankbar zu sein. Dankbar zu sein für diesen Papst. Hoch verdient sind die Grüße und Benedetto-Rufe, die auch aus dem Heimatland des Papstes Richtung Rom schallen. Doch mit Geburtstagsapplaus ist es wie mit dem Beifall bei Papstbesuchen. Am Ende des Tages entscheiden nicht die großen Gesten, sondern inwieweit sich eine Ortskirche Anliegen und Botschaft des Heiligen Vaters zu eigen macht, und wie konsequent sie danach handelt.

Wie der nun bald 85-jährige Pontifex die gigantische Last seines Amtes bewältigt, nötigt selbst kirchenfernen Kreisen höchsten Respekt ab. Schon die physische Leistung verdient Bewunderung. Aber Benedikt XVI. ist nicht einfach ein hochaktiver Silver-Ager mit herausragenden Leistungsbilanzen. Als Nachfolger Petri gelten für ihn andere Maßstäbe. Daher muss man den Heiligen Vater nicht sonderlich gut kennen, um zu wissen, dass ihm etwas anderes viel wichtiger ist, als selbst gefeiert zu werden. Seine Verkündigung mit- und weiterzutragen, seine Anliegen zu teilen, dabei mitzuhelfen, Menschen in Berührung mit Jesus Christus zu bringen, den Glauben zu vertiefen und die Kirche zu erneuern: Das dürfte das schönste Geburtstagsgeschenk für Papst Benedikt sein.

Wie in dicken Lettern steht das Wort Erneuerung über diesem Pontifikat. Erneuerung im Sinne Benedikts ist kein Selbstzweck zur Imagepolitur der Kirche. Dem Papst geht es nicht um Äußerlichkeiten, sondern um die Mitte des Glaubens und darum, dass sich eine Kirche in der Krise wieder mit ganzer Kraft ihrem eigentlichen Auftrag und ihrer ursprünglichen Sendung widmet. Der Weg der Erneuerung, den Benedikt weist, verläuft von innen nach außen. Aus einem erneuerten Glauben erwachsen jene Initiativen, die Zukunft geben. Die persönliche Begegnung mit Jesus Christus ist dabei das Entscheidende. Sie ist der Lebensimpuls der Kirche. Das war am ersten Ostermorgen so und ist heute nicht anders.

Erneuerung braucht Glaubwürdigkeit, lautet eine der Forderungen der prophetischen Entweltlichungs-Rede des Papstes, jener Magna Charta der Reformen für die katholische Kirche in Deutschland. Wo sich Kirche um ein Leben in der totalen Redlichkeit des Evangeliums müht, von der der Papst in Freiburg sprach, gewinnt sie verlorene Glaubwürdigkeit zurück, da erreicht das Evangelium wieder die Menschen. Jede Form der Unglaubwürdigkeit wirkt dagegen wie Gift: Es lähmt den Körper, erstickt die Freude, nimmt der Verkündigung die Kraft.

Es war das Leben der frühen Christen, das bei der heidnischen Umwelt Interesse an deren Glauben weckte. Heute verhält es sich leider oft anders: Je mehr Einblick man in die krisenhaften Zustände der Kirche hat, umso größer muss der Glauben sein. Erneuerung der Kirche bedeutet daher: Mithelfen, die Dinge wieder in die richtige Ordnung zu bringen.

Es gehört zur Tragödie der Kirche im Heimatland des Papstes, dass sie die historische Chance dieses Pontifikates nicht geschlossen ergreift. Statt gemeinsam an einem Aufbruch zu arbeiten, blockiert man sich mit Struktur-Debatten, verzettelt sich in Zweitrangigkeiten und schaut zu, wie häretische und schismatische Bewegungen um sich greifen. Ja mancher meint – mehr oder minder unverhohlen – man habe dieses Pontifikat bald ausgesessen. So lässt man dann den alten Papst einen guten Mann sein, schickt Geburtstagsgrüße nach Rom und geht daheim weiter seine eigenen Wege. Glückwünsche, die von Herzen kommen, sehen anders aus. Man erkennt sie daran, dass den Worten entsprechende Taten folgen.