Leitartikel: Bekenntnis gefordert

Von Jürgen Liminski

Jürgen Liminski
Jürgen Liminski. Foto: DT

Der Vorstoß der SPD namens „Ehe für alle“ ist mehr als eine Provokation, er ist eine Falle. Und das in doppelter Hinsicht. Zum einen will die Schulz-Truppe die bei Ehe und Familie bekenntnisscheue Union zu einem Bekenntnis zwingen und damit die meisten Medien gegen die Union aufbringen. Zum zweiten will sie ein Zeichen setzen. Denn ein Gesetzentwurf in ihrem Sinn könnte durchaus eine Mehrheit im Bundestag erzielen. SPD, Grüne und Linke haben zusammen eine Mehrheit. Mit solch einem Gesetz würde signalisiert, dass Rot-Rot-Grün Mehrheiten bilden kann. Das würde, so die Hoffnung im Heizerwaggon des Schulz-Zugs, die Grünen an die Roten binden. Und darüber hinaus auch die FDP von der Union fernhalten. Die Union stünde einsam da.

Hinzu kommt, dass die Union sich über diese Frage entzweien könnte. Die CSU wäre klar dagegen. Entscheiden müsste letztlich die Kanzlerin und von ihr ist nicht bekannt, dass sie dauerhaft Flagge zeigt, wenn Umfragen dagegensprechen. Es ist aber die Frage, ob die Bevölkerung wirklich die Folgen dieser vollen Gleichstellung befürwortet, also gleichgeschlechtlichen Paaren auch die Adoption von nicht eigenen Kindern erlaubt. Die SPD spielt hier, wie schon seit der Krönung von Schulz zum Kanzlerkandidaten, auf der Klaviatur der Emotionen. Sie kümmert sich nicht um wissenschaftliche Ergebnisse, wonach die Kinder bei der lebenswichtigen Phase der Identitätsfindung erheblich Schaden erleiden würden. Und wie immer werden Einzelfälle ins Feld geführt, die dann allgemeingültig sein sollen. Das konjugale Prinzip aber, das seit Beginn der Menschheit deren Überleben über alle Kulturen und Kontinente hinweg garantiert, spielt für die SPD keine Rolle. Sie kümmert sich um ideologisch überhöhte Ausnahmen.

Schulz setzt hier nur fort, was er in Brüssel jahrelang mit den Genossen aller Herren Länder praktiziert hat: die Zerstörung von Ehe und Familie. Er fühlt sich wohl dabei, weil er mit großem medialen Beifall rechnen kann. Aber er und die Mitfahrer im Tender schätzen die Lage falsch ein. Drei von vier Paaren in Deutschland leben in Ehe wie sie das Grundgesetz versteht, zwischen Mann und Frau. Solange gleichgeschlechtliche Erwachsene mit ihrem eigenen Leben machen, was sie wollen (dürfen), ist das der Bevölkerung ziemlich gleichgültig. Aber wenn dritte, Kinder zumal, betroffen sind, dann ändert sich die Lage.

Die Union wäre gut beraten, einmal an prinzipiellen Überzeugungen festzuhalten. Auch die deutschen Bischöfe sprechen sich für die Unterscheidung von Ehe und Lebenspartnerschaft aus. Man könnte sich zwar vorstellen, dass die Bischofskonferenz hier mal die Gelegenheit nutzen würde, auf die Natur des Menschen und auf die zahlreichen Erkenntnisse der Hirn- und Bindungsforschung einzugehen, die das biblisch-christliche Menschenbild mit immer neuen Ergebnissen belegen. Auch wäre es eine Gelegenheit gewesen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften um eine gesellschaftlich irrelevante kleine Minderheit handelt. Aber man sollte nicht zu viel erwarten. Das vermeidet Enttäuschungen, und das Bekenntnis zum fundamentalen Unterschied ist für den Moment ja auch ausreichend.

Jürgen Liminski
Jürgen Liminski. Foto: DT