Leitartikel: Bekehrung ist der Weg

Von Guido Horst

LEITARTIKEL : Nebelschwaden trüben die Sicht

Wer die 58 Vorschläge der am Sonntag zu Ende gegangenen römischen Bischofssynode an den Papst durchgeht, wird nichts darin finden, was das Lehramt der Kirche, was die Päpste der letzten Jahrzehnte und viele Dokumente vatikanischer Dikasterien nicht schon bei früherer Gelegenheit formuliert hätten. Die Synode hat die Neuevangelisierung nicht neu erfunden. Selbst der Vorschlag, wie er im Laufe der Beratungen in der Synodenaula zu hören war, man möge den Katechisten ein eigenes Amt zuordnen, ist in den sogenannten „Praepositiones“ nicht mehr enthalten. Also nichts Neues im Westen. Denn der westliche Teil der katholischen Christenheit ist es vor allem, der die Neuevangelisierung dringend braucht.

Dann wird man also die Bedeutung der diesjährigen Bischofsversammlung vor allem darin sehen müssen, dass sie überhaupt und dass sie genau zu diesem Thema stattgefunden hat. Zum Beginn eines „Jahrs des Glaubens“ und genau fünfzig Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanums. Dass Bischöfe aus aller Welt zusammenkamen und sich ausgetauscht haben. Dass sie zwar von unterschiedlichsten Lebensbedingungen und kulturellen Umfeldern berichteten, die die Arbeit der Kirche begleiten, aber auch erleben konnten, dass jeder Bischof im Grunde vor derselben Aufgabe steht: den Glauben zu verkünden.

Und dennoch gibt es Unterschiede zu früher, zum Beispiel zur optimistischen Zukunfts-Euphorie zu Konzilszeiten oder zur Fortschrittsgläubigkeit der sechziger Jahre: So beginnt der 22. Vorschlag an den Papst – er behandelt die stete Notwendigkeit der eigenen und der gemeinschaftlichen Bekehrung – mit dem Satz: „Das Drama und die Intensität des uralten Zusammenpralls von Gut und Böse, zwischen Glaube und Angst, muss als der essenzielle Hintergrund festgehalten werden, als ein grundlegendes Element der Bekehrung zu Christus.“ Das erinnert etwas an die Ansprache von Papst Benedikt XVI. vom 11. Oktober, am Abend des Fackelzugs in Erinnerung an die Konzilseröffnung vor fünfzig Jahren, als er von seinem Arbeitszimmer aus in frei gehaltener Rede die euphorische Konzilsstimmung etwas zurechtrückte. „Wir waren glücklich und voller Begeisterung: Das große ökumenische Konzil war eröffnet worden und wir waren sicher, dass ein neuer Frühling für unsere Kirche kommen würde, ein neues Pfingsten, eine neue und befreiende Gegenwart des Evangeliums.“ Auch heute wie vor fünfzig Jahren, fuhr der Papst vor zweieinhalb Wochen fort, „sind wir glücklich, tragen wir eine Freude im Herzen, die aber etwas bescheidener und nüchterner ist. Es ist eine demütige Freude: In diesen fünfzig Jahren haben wir gelernt und erfahren, dass die Erbsünde existiert und sich in die persönlichen Sünden der Einzelnen übersetzt, die dann zu Strukturen der Sünde werden können.“

Ein starkes Wort: In den letzten fünfzig Jahren habe man gelernt und erfahren, dass die Erbsünde existiere und sich in persönliche Sünden übersetze. Man sei bescheidener und nüchterner geworden. Die „conditio humana“, das Elend des schwachen Menschen, hat die Konzilskirche eingeholt. Die Synode hat nicht vor fremden Türen gekehrt. Sie will, dass die Kirche selber den Weg der Bekehrung geht.