„Lebensschutz ist DNA der Christen“

Christiane Lambrecht (CDL Bayern) über eine Demo vor einer Münchner Abtreibungsklinik und ihren Einsatz für das Leben

Frau Lambrecht ist Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben in Bayern. Foto: privat
Frau Lambrecht ist Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben in Bayern. Foto: privat
Frau Lambrecht, CDL Bayern und ALfA haben am Sonntag vor der Abtreibungsklinik von Dr. Stapf in München demonstriert. Verlief die Veranstaltung wie geplant?

Es war die bisher größte Veranstaltung mit über 250 Teilnehmern und ganz besonderen Redebeiträgen. Der ganze Platz vor der Abtreibungsklinik war voll mit überwiegend jungen Teilnehmern, es kamen auch viele Familien und sogar eine Gruppe aus Österreich sowie ein Bus voller Lebensschützer aus Baden-Württemberg. Eine kleine Gruppe Gegendemonstranten meldete sich auch zu Wort. Die Polizei war wie immer eine große Unterstützung – es verließ alles bestens. Nach dem offiziellen Ende war noch viel Zeit zum Kennenlernen, für Gespräche und Austausch.

Was erhoffen Sie sich von der Demonstration? Wen wollen Sie mit welcher Botschaft erreichen?

Angesichts des Gebäudes, in dem Tag für Tag bis zu 20 schwangere Frauen hineingehen, die dann Stunden später ohne ihr „Baby im Bauch" wieder hinausgehen, fragte ich: „Warum stehen wir da?“ Unser Motto ist „Zukunft statt Abtreibung – für echte Hilfe für Mütter und Kinder“. Wir wollen in den Schulen eine bessere, lebensbejahende Sexualaufklärung und Bildung erreichen. Wir brauchen dringend eine familienfreundliche Politik, zum Beispiel Entlastung bei den Steuern pro Kind, ein Familiensplitting. Die Beratungsqualität muss verbessert werden. Wir fordern eine echte Willkommenskultur für Mütter und Kinder..

Haben Sie vor oder während der Demonstration etwas vom Betreiber der Klinik gehört?

Den Betreiber und Abtreibungsarzt Friedrich Stapf haben wir bei mehreren Kundgebungen gesehen, gestern am Sonntag nicht. Aber vielleicht meldet er sich ja bald. Denn Angelika Doose von der Aktion Lebensschutz für Alle (ALfA) hat einen sehr persönlichen offenen Brief an Herrn Stapf verlesen.

Warum wird über das Thema Abtreibung in der Öffentlichkeit kaum noch diskutiert? Was muss passieren, damit die hunderttausendfache Kindstötung wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird?

Das große Schweigen um das Thema Abtreibung ist vielleicht Ausdruck von Gewöhnung. Aber auch Formulierungen wie „Abtreibung ist erlaubt, wenn man einen ,Schein‘ hat“ sind keine Seltenheit. Das Rechtsbewusstsein der Straftat einer Tötung eines Menschen scheint zu schwinden. In den letzten Monaten sprachen mich einige CSU-Politiker genau darauf an und forderten geradezu, dass die CDL nicht nachlassen darf, als der politisch agierende Teil der Lebensschützer sich für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder einzusetzen. Einer sagte mir wörtlich, die CDL solle die Politik „anstacheln“, dass in den Schulen mehr über „Leben und Familie“ gesprochen wird. Wir bräuchten auch bessere Evaluationen über die stattfindenden Beratungen (Dauer des Gesprächs, Gründe etc.). Wichtig wären auch finanzielle Entlastungen pro Kind – leider hat die CSU das Familiensplitting nicht bei der CDU durchgesetzt.

Müsste sich die Kirche in Deutschland deutlicher äußern – oder bestünde dann die Gefahr, dass man den Lebensschutz als christliche Sondermoral abheftet?

Ich wünsche mir in Zeiten von PID oder den Screening-Bluttests bei Schwangeren und den hohen Abtreibungszahlen eine neue Welle, einen neuen Schwung für den Lebensschutz. Für Christen ist der Lebensschutz so etwas wie unsere DNA. Viele Bischöfe und Priester treten dafür aktiv und hörbar ein, offensichtlich brauchen wir hier aber mehr Einsatz. Ein „Zuviel“ kann es angesichts aller aktuellen eugenischen Entwicklungen und der hohen Abtreibungszahlen von offiziell etwa 360 Abtreibungen pro Werktag in Deutschland nicht geben. DT/red