Lebensschutz entzweit britische Regierung

Minister sprechen sich gegen Hybrid-Embryonen und künstliche Befruchtung lesbischer Paare aus

Katholische Minister in Großbritannien haben angedeutet, dass sie einen Gesetzentwurf boykottieren wollen, der die Schaffung von Embryos aus menschlichem und tierischem Material zu Forschungszwecken erlauben würde. Derselbe Entwurf sieht auch eine Gesetzesänderung vor, nach der Frauen künstliche Befruchtungen ohne die bisher gesetzlich verankerte „Notwendigkeit eines Vaters“ durchführen lassen könnten. Das heißt, Geburtshilfekliniken müssten auch alleinstehende und lesbische Mütter behandeln, und beide Partner eines lesbischen Paares könnten als gesetzmäßige Eltern des so entstandenen Kindes gelten. In Deutschland dürfen künstliche Befruchtungen bisher nur bei verheirateten Paaren durchgeführt werden.

Die Schaffung von Hybrid-Embryos, bei der Forscher menschliche Zellkerne mit tierischen Eizellen vermischen, aus denen der Großteil der Erbinformation entfernt wurde, soll bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten für Parkinson- und Alzheimerkranke helfen, ist aber ethisch fragwürdig. Labour-Minister Ruth Kelly und Paul Murphy haben sich deshalb gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen und verlangt, dass die Parlamentarier bei der Abstimmung ohne Fraktionszwang frei nach ihrem Gewissen wählen dürfen, berichtete der britische „Observer“.

Nur bei Abtreibungsdebatten herrscht kein Fraktionszwang

Die Gesetzesvorlage wird diese Woche im Oberhaus debattiert und soll nach Ostern dem Unterhaus vorgelegt werden. Laut Observer habe sich Kelly vor kurzem mit dem für die Parteilinie verantwortlichen Geoff Hoon getroffen und ihn gebeten, Teile des Gesetzentwurfs aus dem Fraktionszwang zu lösen.

Bisher können Parlamentarier in Großbritannien nur bei Abstimmungen zum Thema Abtreibung ihr Gewissen geltend machen. Hoon soll Kelly vorgeschlagen haben, die Parlamentarier sollten der Abstimmung einfach fernbleiben. Doch viele sehen das als faulen Kompromiss. Nicht nur katholische Parlamentarier haben Bedenken gegen das Gesetz.

Die Schaffung eines Embryos aus menschlichem und tierischem Material sei eine „reproduktive Perversion“, sagte Anthony McCarthy, wissenschaftlicher Mitarbeiter am katholischen Linacre-Zentrum für Gesundheitsethik in London, gegenüber der „Tagespost“. Auch der neue Leitfaden zur künstlichen Befruchtung sei problematisch. „Der Gesetzesentwurf zeigt eine außerordentliche Verachtung für den Wert des Lebens und die Bedeutung der Elternschaft“, so McCarthy. Das Oberhaupt der Katholiken in Großbritannien, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, hat das Gesetz ebenfalls als „grundlegend falsch“ bezeichnet, weil es „die Rolle des Vaters im Leben eines Kindes radikal untergräbt“.

Die Opposition aus der Labour-Partei könnte die angeschlagene Regierung von Premierminister Gordon Brown weiter schwächen, weil es sich um deren eigene Gesetzesvorlage handelt. Sie gilt auch als Kritik an der strikten Partei- und Fraktionsdisziplin.