Lebensschutz-Kontroverse in Kanada

Liberale Partei des Ministerpräsidenten will künftig nur noch Sommerjobs von Organisationen bezuschussen, die ausdrücklich "uneingeschränktes Recht" von Frauen auf Abtreibung akzeptieren.

Ottawa (DT/KAP/KNA) Im Streit zwischen dem kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau und den Kirchen um staatliche Zuschüsse für Sommerjobs haben sich die Fronten verhärtet. 87 religiöse Führer Kanadas, darunter der Erzbischof von Toronto, Kardinal Thomas Collins, haben die kanadische Regierung jetzt aufgefordert, die Regeln für die Vergabe der staatlichen Mittel zu ändern. Die liberale Partei von Ministerpräsident Justin Trudeau, einem Katholiken, will künftig nur noch Sommerjobs von Organisationen bezuschussen, die ausdrücklich ein „uneingeschränktes Recht" von Frauen auf Abtreibung akzeptieren. Kardinal Collins sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern anderer Religionen am Montag, man suche keinen Streit, aber es dürfe für die staatliche Unterstützung keine religiösen oder ideologischen Vorbedingungen geben. Insbesondere in den Sommermonaten werden tausende Studenten bei Kleinunternehmen, Kirchen und karitativen Organisationen eingestellt, deren Bezahlung staatlich bezuschusst wird. Die katholische Kirche und andere Glaubensgemeinschaften wollen die Anerkennung eines „Rechts auf Abtreibung“ als Vorbedingung jedoch nicht akzeptieren. Die Kontroverse entstand im vergangenen Jahr, als Abtreibungsbefürworter dagegen protestierten, dass ein Teil des insgesamt 220 Millionen Dollar teuren „Canada Summer Jobs Programm“ an Lebensschützer-Organisationen ging. Die Abtreibungsgegner sollen mit diesen Geldern unter anderem Faltblätter gegen Schwangerschaftsabbrüche finanziert haben. Als Reaktion darauf änderte die kanadische Regierung die Vergabekriterien. Antragsteller müssen nun pauschal dem „Recht auf Abtreibung“ zustimmen.