„Kusch, übernehmen Sie!“

An Angst herrscht kein Mangel – Na dann...

Von Stefan Rehder

Roger Kusch ist gegenwärtig allgegenwärtig. Bild, BamS, Glotze – alle stopfen mit dem üppig dimensionierten Ego des in Ungnade gefallenen Ex-Senators das Sommerloch. Und jetzt auch noch wir. Gar kein Problem. Machen wir gern. Denn hier – genau an dieser Stelle – ist immer Platz für Abstruses und für Absurdes, für Pathologisches und für Pathogenes. Und besonders für das, worüber – wäre Ernsthaftigkeit durchgängig verpflichtend – kein Sterbenswörtchen verloren werden dürfte. Mit anderen Worten, dieser Platz ist wie gemacht für einen wie Roger Kusch. Wir zum Beispiel wären durchaus bereit, ihm an dieser Stelle ein Abo einzuräumen. Was auch daran liegen mag, dass wir uns den Mann auch als TV-Serienheld vorstellen können. Und das gleich auf mehreren Kanälen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen könnte etwa „Ein Kusch für alle Fälle“ laufen, während die Privaten täglich eine Folge von „Kusch, übernehmen Sie“ senden könnten. Natürlich müsste sich der Jurist, der sich jetzt mit einem spektakulären „Coming-out“ als „evangelischer Christ“ geoutet hat, dann schon mehr bieten, als Rentnerinnen, die die Angst vor einem Leben im Pflegeheim umtreibt, behilflich zu sein, statt ihrer Angst sich selbst zu entsorgen. Gelegenheit dazu gäbe es reichlich. Denn an Angst herrscht – zumal in Deutschland – kein Mangel.

So könnte Kusch sich zum Beispiel all jenen anbieten, die fürchten, dass ein Leben in einem Land mit bundesweitem Rauchverbot einen spürbaren Verlust an Lebensqualität nach sich zieht. Auch wer sich sorgt, dass ihn die Sprit-Preise in die private Insolvenz treiben, müsste sich an Kusch wenden können. Unfreiwillige Langzeitarbeitlose wären genauso potenzielle Klienten, wie solche, denen es davor graut, Arbeit zu finden. Wer vor nichts Angst hat, könnte am Ende des Sommerlochs immer noch rufen: „Kusch, Kusch, ins Körbchen!“