Kritik an Urteil zu Mor Gabriel

Berlin (DT/KNA) Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der Türkei im Rechtsstreit um Ländereien des christlichen Klosters Mor Gabriel sorgt weiter für Kritik in Deutschland. Die kirchenpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Maria Flachsbarth (CDU), kritisierte die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der Türkei im Rechtsstreit um Ländereien des christlichen Klosters scharf. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das weitreichende Urteil den Erhalt des Klosters infrage stellt“, sagte Flachsbarth in Berlin. Sie rief auch die anderen europäischen Länder zur Solidarität auf. Aus Europa müsse ein deutliches Signal an den Beitrittskandidaten Türkei kommen, dass die Religionsfreiheit auch dort uneingeschränkte Geltung haben müsse. Auch der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) rief die Türkei zum Erhalt des Klosters auf. „Mit etwas gutem Willen könnte der türkische Staat auch nach dem Urteil noch konstruktiv auf das Kloster zugehen und die Ländereien zurückgeben oder an die Christen verpachten“, so die BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött. Mor Gabriel verdiene Schutz und müsse dauerhaft erhalten bleiben, forderte auch die SPD-Bundestagsfraktion. Sie verurteile die „Enteignung, da die umliegenden Ländereien für das Klosterleben notwendig sind“, so die Menschenrechtsexperten Christoph Strässer und Angelika Graf. Das Urteil werde die religiöse Vielfalt in dem Land weiter schwächen. Bei dem Streit gehe es um mehr als ein Stück Ackerland. Das syrisch-othodoxe Kloster sei ein wichtiges Zentrum der aramäischen christlichen Minderheit in der Region. Der Gerichtshof hatte Ländereien des christlichen Klosters in Südostanatolien dem türkischen Staat zugesprochen. Mit der Klage hatte das türkische Schatzamt seinen Anspruch auf einige Felder in der Umgebung des im vierten Jahrhundert gegründeten Klosters durchsetzen wollen. Im Juni 2009 wies ein Gericht in der südosttürkischen Kreisstadt Midyat die Klage des Schatzamtes zurück. Daraufhin ging der Fall an das Berufungsgericht in Ankara.