Krieg im Vatikan

Und niemand ist da, der die feindlichen Truppen trennen könnte

Von Guido Horst

So, jetzt ist niemand mehr da. Die letzten Briefe werden abgeheftet, Unterlagen für jüngste Beiträge wandern in den Müll. Der Weltjugendtag ist abgefeiert, alle Büros sind nun geschlossen, mit leeren Wasserflaschen und verdorrten Pflanzen ein abschließender Gang zur Tonne. Tür zu, den Schlüssel rumgedreht, die letzten Italiener schnallen das Surfbrett aufs Autodach. Und nichts wie weg. Rom gehört nun ganz und gar nur noch den Touristen.

Der Papst ist fort, die Kongregationen sind verwaist – Zeit also für den show-down, den finalen Entscheidungskampf. Und zwar dort, wo ganz bestimmt keiner hinkommt von den Stadtstreichern und Touristen: Hinter den Mauern des Vatikan. Das Säbelrasseln ist vorüber. Seinen vorzeitigen Abschied vom Amt des Kommandanten der Schweizer Gardisten hat Oberst Elmar Mäder mit bitteren Interviews garniert. Man werde in letzter Zeit „stiefmütterlich“ behandelt, klagte der für einen Rentner viel zu junge Mann. Der Feind wird immer frecher, hört man hinter den heiligen Mauern. Nun wagt es die Päpstliche Gendarmerie, die „andere“ Schutztruppe im Kirchenstaat, bei feierlichen Anlässen wieder die alte Garde-Uniform zu tragen. Und überhaupt und so... wehrt sich Mäder gegen den Vorwurf, die Italiener (der Gendarmerie) seien für den Nahschutz besser ausgebildet als die Schweizer (der Garde). Wo der Kampf ausbrechen wird, vor der Kaserne der Gardisten oder in der Einsatzzentrale der Gendarmerie, weiß derzeit im Vatikan niemand – denn es ist ja keiner da. Die Schweizergarde will ihre „verbrieften Rechte und Pflichten“ verteidigen (Mäder). Ob da auch die Hellebarde zum Einsatz kommt? Die Gendarmerie setzt auf Handfeuerwaffen. Sicher ist: Niemand kann sich jetzt mehr zwischen die Kriegsparteien werfen. Im Vatikan kommt es nun zum Entscheidungskampf.