Kommentar

Schön war‘s bei Trump. Von Jürgen Liminski

Macron bei Trump – das war die Begegnung zweier Medien-Phantome. Sowohl von dem amerikanischen als auch dem französischen Präsidenten zeichnen die meisten Medien Bilder, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Trump verfolgt manche Linien geradezu kompromisslos, Macron hat zu Hause keineswegs die Beliebtheit, die ihm in Amerika und vor allem in Deutschland zugesendet und zugeschrieben wird. Offenbar haben beide voneinander nicht diese Phantom-Vorstellung, sondern ein ganz nüchternes, reales Bild. Das ist die Grundlage, auf der man Politik, auch Weltpolitik machen kann. Zu dieser Realpolitik gehört, dass die Europäer keine Zölle und am Atomabkommen mit dem Iran festhalten wollen. Trump aber will Zölle und das Abkommen auflösen. Über die Zölle wird er noch verhandeln (müssen), beim Abkommen mit den Mullahs spricht, sicherheitspolitisch mittelfristig mehr für eine Auflösung, wirtschaftspolitisch sieht es kurzfristig anders aus und da die Europäer eher in kurzen Fristen und hohen Profiten denken, wird es da kaum eine Einigung geben. Aber schön war’s bei Washingtons. Macron durfte in den Gemächern ruhen, in denen der Marquis de La Fayette seine Uniformen ablegte und war auch sonst von Pomp und Glorie umgeben. Trump konnte sich mit Geschichte brüsten, was die Amerikaner so gerne tun, weil sie kaum welche haben — jedenfalls im Vergleich zu den Europäern. Und beide sonnten sich, jeder Narziss auf seine Art, in ihren Gemeinsamkeiten und Gegensätzlichkeiten. Nur: Wie geht es weiter? Jetzt wird erstmal die Kanzlerin am Potomac aufschlagen. Es wird nüchterner zugehen, distanzierter. Merkel wird in die gleiche Kerbe hauen wie Macron, aber bei ihr wird es Trump leichter fallen, auf seinen Positionen zu beharren. Denn die durchgängige Meinung in Washington lautet: Auf Deutschland ist, wenn es ernst wird, weniger Verlass als auf Frankreich. Es gibt keinen deutschen La Fayette. Das wurde Washington spätestens klar, als es um den sehr begrenzten Schlag in Syrien ging. Das permanente Sich-Ducken hat eben den Nachteil, dass man auf Dauer als Bückling eingeschätzt wird.