Kommentar: Wenig Hoffnung in Syrien

Von Oliver Maksan

Erneut sind Dschihadisten in Syrien über die Christen von Maalula hergefallen. Zwölf Ordensfrauen sind in den Händen der Islamisten. Einmal mehr wird den Christen Syriens damit bewusst, wie prekär ihre Lage ist. Das Regime indes hat keinen Grund, sich als die saubere Alternative zu präsentieren. Die jüngsten Berichte des UN-Menschenrechtsrats legen ein anderes Bild nahe und listen massive Kriegsverbrechen der Regierungsseite auf. Angeblich reicht die Verantwortung dafür nachweisbar bis zu Assad selbst. An Kriegsgräueln der Opposition mangelt es dem Bericht zufolge ebenfalls nicht. Mittlerweile kursiert die Zahl von mindestens 125 000 Kriegstoten.

Viele mögen jetzt ihre Hoffnungen auf Genf II richten, jene Konferenz, die am 22. Januar erstmals Regierung und Aufständische in Genf an einen Tisch bringen soll. So begrüßenswert das Zustandekommen an sich schon ist: Den Wendepunkt hin zu einer politischen Lösung wird dieses Treffen wohl nicht bringen. Die Regierung hat schon deutlich gemacht, dass sie nicht daran denkt, in Genf die Macht abzugeben. Die jüngsten militärischen Erfolge stärken das Regime zudem. Paradoxerweise ist es durch den Chemiewaffendeal unabdingbar geworden. Der Westen ist auf die Kooperation mit Assad angewiesen, soll die Vernichtung der C-Waffen wirklich gelingen.

Auf der anderen Seite sieht es nicht viel besser aus. Die Opposition ist anders als die Assad-Seite chronisch zerstritten. Weite Teile lehnen Genf II ab. Die vom Westen hofierten, in Istanbuler Hotels empfangenden Exilpolitiker stoßen bei der kämpfenden Opposition in Syrien selbst nur auf Verachtung. Befehlsgewalt über die Kämpfer haben sie meist keine. Die neugegründete „Islamische Front“, ein Zusammenschluss islamistischer Verbände, stellt mittlerweile die Hälfte der oppositionellen Kämpfer, die „moderate“ Freie Syrische Armee allenfalls zwanzig Prozent. Die harten Islamisten haben schließlich gar kein Interesse an einer politischen Lösung. Die Leiden der Syrer – Christen wie Muslime – werden auch im dritten Kriegswinter weitergehen.