Kommentar: Verrohung des Umgangs

Von Stefan Meetschen

Stefan Meetschen. Foto: DT

Nächste Woche ist es soweit – die Sommerferien gehen zuende, auch in Baden-Württemberg und Bayern beginnt wieder der Schulunterricht. Das Lernen und Lesen, Zuhören und zur Sprache bringen von Wissen steht für Tausende von Schülern erneut auf dem Programm. Und offenbar noch mehr. In einem aktuellen „Manifest“ schlägt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) Alarm: „Wir Lehrerinnen und Lehrer und viele Pädagogen beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern“, heißt es dort. „Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung, persönliche Beleidigungen, bewusste Kränkungen und und Ausgrenzung in Wort und Handeln.“ Eine „Verrohung des Umgangs miteinander“, der sich „auch auf unsere Kinder und Jugendlichen“ auswirke.

Wie die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in vielen Interviews, unter anderem mit dem „Deutschlandfunk“, präzisiert, gibt es für diese Verrohung durchaus politische Hintergründe: „Wir erleben eben, dass Schule nur so gut sein kann wie die Gesellschaft außenrum. Wenn in der Gesellschaft Verrohungen in der Sprache passieren, wenn Bundeskanzlerin Merkel heute von sprachlichem Extremismus spricht, dann ist da eine Vorbildfunktion nicht eingenommen, und dann können wir als Lehrerinnen und Lehrer nur halb so gut sein.“

Nun ist es keine neue Sichtweise, die Schule als einen Innenraum der Gesellschaft zu betrachten. Neu ist jedoch, dass Lehrer ihrer Besorgnis über eine ungute Entwicklung, die sich in einer unheilvollen sprachlichen Entwicklung manifestiert, öffentlich Ausdruck verleihen und die Grenzen ihres Wirkens aufzeigen. Den BLLV darf man bei diesem Phänomen wohl als pars pro toto der gesamten deutschen Lehrerschaft verstehen. Das Problem fehlender Vorbilder mangels Verantwortung wird damit jedoch nicht gelöst. Die bräuchte es, damit auch im Klassenzimmer wieder Niveau einkehrt.

Stefan Meetschen. Foto: DT