Kommentar: Syrien: Hunger als Waffe

Von Oliver Maksan

Oliver Maksan. Foto: DT
Oliver Maksan. Foto: DT

Zu den furchtbarsten des an Gräueln so reichen Krieges in Syrien gehört es, Hunger gezielt als Waffe einzusetzen. Alle am Konflikt beteiligten Seiten tun das, das Regime wie der „Islamische Staat“, aber auch andere Rebellengruppen. Dass jetzt am Donnerstag bereits zum zweiten Mal Hilfskonvois der Roten Kreuzes etwa in die Stadt Madaja und zwei andere belagerte Orte fahren konnten, um den Zehntausenden vom Assad-Regime wie Rebellen eingeschlossenen Menschen dringend benötigte Lebensmittel zu bringen, ist wenigstens ein kleiner Lichtblick. Dazu bedurfte es erst entsetzlicher Bilder halb verhungerter Kinder, die kürzlich verbreitet wurden. Vielleicht hilft es künftig, dass der UN-Sicherheitsrat in New York sich gestern auf Initiative Frankreichs und Großbritanniens mit dem Problem befasste, wie man Hilfstransporten leichter Zugang verschaffen könne. Insgesamt leiden den Vereinten Nationen zufolge weit über 400 000 Menschen in Syrien Hunger oder verhungern gar, weil die Belagerung ihrer Orte keine Lebensmittellieferungen ermöglicht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schätzt, dass nur ein Prozent der Menschen in belagerten Gebieten derzeit adäquat versorgt werden könne. Klar verurteilte er diese uralte Praxis des Aushungerns als Kriegsverbrechen.

Entscheidend und hilfreicher als jeder Hilfskonvoi wäre, dass der in sein fünftes Jahr gehende Konflikt endlich an der Wurzel gelöst würde. Die von den UN für den 25. Januar anberaumten Gespräche zwischen Regierung und Oppositionsgruppen sind das bislang am meisten ernst zu nehmende Forum dieser Art. Es ist derweil fraglich, ob das Datum für direkte Gespräche eingehalten werden kann. Die Opposition fordert vertrauensbildende Maßnahmen seitens der Regierung wie etwa die Beendigung der Belagerung oppositioneller Städte. Das ist wenig wahrscheinlich. Und dass sich Saudi-Arabien und der Iran derzeit so offen feindlich gegenüberstehen wie nie, vermindert die Hoffnung zusätzlich, dass es zu substanziellen Fortschritten auf dem Weg einer politischen Lösung kommt.