Kommentar: Starke Worte des Papstes

Von Guido Horst

Papst Franziskus. Foto: dpa
Papst Franziskus. Foto: dpa

Wenn ein Papst Neapel besucht, die Hauptstadt des organisierten Verbrechens im Stiefelstaat, dann ist die Aufmerksamkeit der Medien groß. Aber wie sie so sind, die frommen Seelen im Lande Pater Pios und des heiligen Antonius von Padua: Am meisten Eindruck hat wohl das „Wunder von Franziskus“ hinterlassen: Als der Papst das geronnene Blut des heiligen Januarius in seiner Glasampulle verehrte, verflüssigte es sich leicht, obwohl der vergangene Samstag gar nicht zu den drei Tagen im Jahr gehört, an denen im Dom von Neapel dieses Blutwunder geschieht.

Der Himmel schien also über Franziskus seine Hand zu halten und die Worte, die Franziskus in Neapel verwandte, waren stark. Schwarzarbeit sei Ausbeutung und Sklaverei, ein Arbeitgeber, der das tue und sich Christ nenne, sei ein Lügner. Korruption stinke, rief er im Armenviertel Scampia aus, eine korrupte Gesellschaft stinke und ein korrupter Christ stinke auch. Er geißelte die Wegwerfkultur und verurteilte die Mafia; bei der Messe auf der Piazza del Plebiscito meinte er, die „Zeit der Befreiung“ Neapels vom organisierten Verbrechen sei gekommen. So wie sich Franziskus in Rom mit starken Worten etwa gegen Missstände im Vatikan wendet – man denke an die Weihnachtsansprache vor seinen Mitarbeitern über die fünfzehn Krankheiten der römischen Kurie –, so scheut sich der Papst nicht, auch bei seinen Pastoralbesuchen zu rhetorischen Keulen zu greifen, besonders dann, wenn er das Manuskript beiseite legt und in freier Rede Klartext spricht. Und dass gerade Neapel die vielfachen Facetten „italienischer Krankheiten“ zeigt – der Papst prangerte dort auch die katastrophalen Zustände in den Haftanstalten des Landes an –, und Franziskus verbal entsprechend reagierte, hat am Samstag nicht verwundert. Verwundert hat die Menschen nur das „Blutwunder“, das der Papst im Dom Neapels wirkte. Wirkliche Spuren im Kampf gegen die Mafia haben Staatsanwälte und auch Seelsorger hinterlassen, von denen einige dafür ihr Leben ließen. Starke Worte allein reichen nun einmal nicht aus.