Kommentar: Staatliche Verwirrung

Von Johannes Reger

Premiere für die «Ehe für Alle»
Ein Hochzeitsgast mit einer Regenbogenfliege steht am 01.10.2017 in Hamburg im Rathaus. Die erste Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren findet im Hamburger Rathaus statt. Foto: Axel Heimken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Foto: Axel Heimken (dpa)

Mit dem 1. Oktober ist die „Ehe für alle“ in Kraft getreten. Kaum ein Gesetz seit der Abtreibungsgesetzgebung der neunziger Jahre hat bereits nach so kurzer Zeit einen solchen negativen Einfluss auf das durchschnittliche Rechtsbewusstsein der Bevölkerung ausgeübt wie das neudefinierte Eherecht. In der Bundesrepublik Deutschland hat der Gesetzgeber für Verwirrung in einer für die Zukunft von Staat und Gesellschaft zentralen Frage gesorgt. Ob sich das Bundesverfassungsgericht mit der Verfassungsmäßigkeit des im Rahmen einer parlamentarischen Sturzgeburt (Staatsrechtler Uhle) zur Welt gekommenen Gesetzes befassen wird oder nicht: Es ist deutlich geworden, dass es einen prinzipiellen Dissens zwischen dem von der katholischen Kirche vertretenen Naturrecht und der Mehrheit der Politik gibt – bis weit in die Unionsparteien hinein. Hinzu kommt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung Umfragen zufolge die umgedeutete Ehe unterstützt.

Bei der Bevölkerung gilt es aber anzusetzen, soll irgendwann wieder Vernunft in die Ehegesetzgebung einziehen. Katholiken müssen klug und ohne Schaum vor dem Mund auf die verfassungsmäßigen und innerlichen Widersprüche des Gesetzes hinweisen. Es muss darum gehen, in echtem Respekt vor homosexuellen Menschen klarzumachen, dass eine Ehe von ihrem Wesen her auf Nachkommenschaft angelegt ist. Wo die Geschlechterkomplementarität fehlt, mag es staatlich registrierte Lebensgemeinschaften, aber keine Ehe geben.

Für die Klarheit des kirchlichen Zeugnisses ist es dabei aber entscheidend, dass die Kirche mit einer Stimme spricht. Versuche, homosexuelle Paare zu segnen, verdunkeln hier die Position der Kirche. Es war deshalb unbedingt richtig, dass Münsters Bischof Genn jetzt eine solche Segnungsfeier untersagt hat. Natürlich, alle Menschen stehen unter dem Segen Gottes. Aber die Kirche kann keiner Verbindung den Segen geben, die ihrem Menschen- und Sakramentenverständnis widerspricht.

Premiere für die «Ehe für Alle»
Ein Hochzeitsgast mit einer Regenbogenfliege steht am 01.10.2017 in Hamburg im Rathaus. Die erste Trauung von gleichgesc... Foto: Axel Heimken (dpa)