Kommentar: Sprach(e) macht Politik

Ein Schwangerschaftsabbruch könne "nie ein Bagatelldelikt, eine Bagatellentscheidung sein“, erklärte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer jüngst.

Kramp-Karrenbauer äußert sich zu Abtreibung
Vielleicht verbessert sie irgendwann noch ihren Sprachgebrauch: Statt von "Schwangerschaftsabbrüchen" könnte Annegret Kramp-Karrenbauer dann von Abtreibungen oder vorgeburtlichen Kindstötungen sprechen. Foto: Peter Steffen (dpa)

Manche Menschen kommunizieren nach dem Motto: „Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage.“ Andere sind von den Worten, die ihre Lippen verlassen, so erschrocken, dass sie deren Korrektur gleich hinterherschicken. Ein Schwangerschaftsabbruch könne, erklärte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Wochenende auf einer Veranstaltung der baden-württembergischen CDU anlässlich des 80. Geburtstags des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, „nie ein Bagatelldelikt, eine Bagatellentscheidung sein“.

Politik besitzt auch eine bewusstseinsbildende Komponente

Natürlich könnten Politiker einwenden, das II. Vatikanische Konzil, das Abtreibung freimütig als „abscheuliches Verbrechen“ bezeichnete, habe gut reden. Schließlich würden Kardinäle vom Papst ernannt und nicht vom Volk gewählt. Nur geht es darum gar nicht. Worum es geht, ist, dass Politik als Sorge um das Gemeinwohl sich nicht im Lösen von Problemen erschöpft, sondern auch eine bewusstseinsbildende Komponente besitzt. Die gilt es anzunehmen. Und dabei kommt der Wortwahl eine Bedeutung zu, die kaum hoch genug geschätzt werden kann.

"Wenn das, was gesagt wird, nicht das
Gemeinte ist, gedeihen die Werke nicht.
Gedeihen die Werke nicht,
verderben die Sitten und die Künste"
Konfuzius

Die Alten wussten das noch. So soll der Philosoph Konfuzius auf die Frage, was er täte, wenn ihm die Verwaltung eines Landes anvertraut wäre, geantwortet haben: „Ich würde den Sprachgebrauch verbessern.“ Zur Begründung führte er aus: „Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte ist, gedeihen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, verderben die Sitten und die Künste. Verderben die Sitten und Künste, trifft die Justiz nicht das Rechte. Trifft die Justiz nicht das Rechte, weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Daher achte man darauf, dass die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.“ Wer das beherzigt, wird statt von „Schwangerschaftsabbrüchen“ von Abtreibungen und vorgeburtlichen Kindstötungen reden. Und statt von „Mörderinnen“ wird er von Schwangeren sprechen, die ihr ungeborenes Kind zur Tötung freigegeben.

Sei es aus eigenem Antrieb, sei es be- und gedrängt – von einem erbarmungslosen Umfeld.