Kommentar: Scheitern als Segen

Ehrliche Trauer und heimliche Genugtuung begleiten die Schließung der Abtei Mariawald in der Eifel. Von Regina Einig

Für die einen war der Konvent längst zum Scheitern verurteilt, für die anderen vollzog er ein heiliges Experiment. Die Wiedereinführung des klassischen römischen Ritus und der traditionellen Ordensregel war mit vielen Hoffnungen besetzt. Ein Traditionalistenkloster in benediktinischem Geist hätte in Deutschland eine spirituelle Lücke füllen können, die jedem auffällt, der einmal Le Barroux oder Fontgombault in Frankreich kennengelernt hat. Dass sich der Konvent nie wirklich einmütig auf dieses Experiment einließ, mag der Ursachenforschung für das Scheitern dienen. Schmerzhaft bleibt das leere Chorgestühl in Mariawald dennoch.

Es sind aber weniger nostalgische Überlegungen, die derzeit nahelegen, das heilige Experiment nicht abzuhaken, sondern neu einzufädeln. Die Gläubigen stimmen weiterhin mit den Füßen ab: An Sonntagen, an denen nach dem Weggang der Mönche von traditionsverbundenen Priestern das Messopfer in der überlieferten Form des römischen Ritus gefeiert wurde, war die Kirche gut gefüllt. Dass im Bistum Aachen auch der Priesterbruderschaft St. Pius nahestehende Benediktiner Fuß gefasst haben, regt ebenfalls zum Nachdenken an: Die Menschen suchen die Nähe der Klöster. Mariawald eignet sich aufgrund der abgeschiedenen Lage ideal dafür, Interessierten die Tradition zwanglos näher zu bringen. Keine Pfarrei braucht deswegen Verluste zu befürchten.

Im besten Fall wird Scheitern zum Segen. Priester und Laien haben sich bereits vernetzt, um Mariawald als geistlichen Ort zu erhalten. Dass Mönche und Nonnen ihr Kloster aufgeben müssen, wird in den nächsten Jahren noch häufiger der Fall sein. Dass es vernünftige und geistlich substanzielle Nachfolgeregelungen gibt aber nicht. Ein Glücksfall, wo Bistümer hören, was der Geist den Gemeinden sagt.