Kommentar: Roma locuta – und nun?

Von Markus Reder

Petersdom
Ein Blick auf den Petersdom in Rom, dem Zentrum des Katholizismus. Foto: dpa
Petersdom
Ein Blick auf den Petersdom in Rom, dem Zentrum des Katholizismus. Foto: dpa

Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht in das Bistum Limburg zurück. Damit ist in einer quälend langen Affäre, die die Kirche in Deutschland schwer erschüttert hat, eine Entscheidung gefallen. Der Heilige Stuhl hat den bereits am 20. Oktober 2013 angebotenen Rücktritt des Bischofs angenommen, heißt es in der Erklärung des Vatikan. Es gab also ein Rücktrittsangebot, von dem öffentlich nichts bekannt war. Auch sonst überrascht das vatikanische Pressestatement. Während bei Bischofsernennung oder der Annahme von Rücktritten üblicherweise ein direkter Bezug zum Papst hergestellt wird, ist hier zweimal vom Heiligen Stuhl die Rede. Das mag sprachliche Erbsenzählerei sein, auffällig ist es dennoch. Auf den Heiligen Vater bezieht sich die Pressemitteilung ausdrücklich erst an der Stelle, wo Klerus und Gläubige des Bistums darum gebeten werden, die Entscheidung anzunehmen und zu einem Klima der Barmherzigkeit und der Versöhnung zurückzufinden. Ob dies tatsächlich gelingt, wird für die Zukunft des Bistums und über die Bistumsgrenzen hinaus entscheidend sein.

Wer verantwortlich dafür ist, dass es in Limburg zu einer Situation gekommen ist, die eine fruchtbare Ausübung des Bischofsamtes durch Tebartz-van Elst unmöglich gemacht hat, bleibt in der Erklärung des vatikanischen Presseamtes offen. Die Schuld an einem völlig vergifteten Klima allein dem Bischof in die Schuhe zu schieben, wäre angesichts der Vorgänge in Limburg und maßloser Attacken in den Medien höchst unredlich. Nach der Entscheidung Roms wird der Kampf um die Deutungshoheit über die „Causa Tebartz“, in dem die Medien von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt haben, wohl weitergehen. Auch jene, denen es keineswegs nur um nötige Aufklärung ging, sondern die mit böswilligen Verunglimpfungen gezielt Politik gemacht haben, werden sich nun im Recht sehen. Ob die Entscheidung des Papstes zu einer Befriedung der Situation, zu einem Neuanfang in Limburg führt, hängt neben der dringend nötigen Versöhnungsbereitschaft nicht zuletzt davon ab, wie in Limburg ein künftiger neuer Bischof gefunden wird. Sollte das Domkapitel, das in inakzeptabler Art und Weise mit seinem Bischof umgesprungen ist, sich einen neuen Oberhirten wählen können, würde diese Situation regelrecht zur Nachahmung einladen.