Kommentar: Rekordgeschäfte mit dem Tod

Von Markus Reder

Das nennt man dann wohl Duplizität der Ereignisse. Zweimal und fast zeitgleich ging es am Mittwoch um das Geschäft mit Waffen. Einmal in Berlin, das andermal in Rom. In Berlin beschloss das Kabinett den Rüstungsexportbericht. In Rom verurteilte ein offensichtlich wieder erholter Papst Franziskus bei sengender Sonne während der Generalaudienz auf dem Petersplatz die weltweite Rüstungsindustrie. Diejenigen, die Waffen herstellten, um Krieg zu schüren, seien „Händler des Todes“, donnerte der Papst und betonte, sie würden einmal von Gott zur Rechenschaft gezogen. Doch die „Händler des Todes“ machen Kasse wie noch nie. Die Tötungsindustrie brummt wie kaum ein anderer Industriezweig. Waffen „Made in Germany“ sind weltweit begehrter denn je. Ganz egal, ob es um Panzer, Boote, Maschinengewehre oder Munition geht, „deutsche Wertarbeit“ erfreut sich international in Kriegs- und Krisenregionen höchster Beliebtheit. Im vergangenen Jahr hat die Bundesrepublik Rüstungsexporte in Länder außerhalb von EU und Nato auf Rekordhöhe gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahr stieg ihr Anteil von 55 auf 62 Prozent. Das lässt sich dem vom Kabinett beschlossenen Rüstungsexportbericht entnehmen. Danach finden sich unter den belieferten Ländern Algerien, Katar, Saudi-Arabien und Indonesien. Allesamt Staaten, die für ihre Menschenrechtsverletzungen bekannt sind. Doch wen kümmert das, wenn die Millionen fließen?

Deutsche Rüstungskonzerne durften im Vorjahr für 135 Millionen Euro Kleinwaffen und Munition exportieren. Das bedeutet einen Anstieg von 43 Prozent. Ein Großteil auch dieser Lieferungen ging in Drittstaaten. Kleinwaffen, zu denen Maschinengewehre und tragbare Raketenwerfer zählen, fordern weltweit die meisten Opfer in Konflikten. Es ist eine perverse Doppelmoral, wortreich die blutigen Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika zu beklagen und nach Frieden zu rufen, auf der anderen Seite aber mit Waffenlieferungen den Rüstungswettlauf zu schüren, gewinnbringend den Tod in Krisenregionen zu exportieren und sich dann auch noch die Hände in Unschuld zu waschen. An den Händen der „Händler des Todes“ klebt das Blut zigtausender unschuldiger Zivilisten, das Blut von Mütter, Kindern und deren Väter. Sie tauchen in keinem Rüstungsexportbericht auf.