Kommentar: Putins Spiele in Sotschi und Kiew

Von Markus Reder

Markus Reder. Foto: DT
Markus Reder. Foto: DT

Von Olympischem Frieden keine Spur. Olympischer Frieden hieß jenes im alten Hellas geschlossene Abkommen, das einen sicheren Verlauf der Spiele garantieren und eine gefahrlose An- und Abreise der Teilnehmer ermöglichen sollte. Schon in der Antike wurde dieser Vertrag mehrfach gebrochen und weiter gemetzelt. Doch die Idee fasziniert bis heute: Die Olympischen Spiele als eine Zeit der internationalen Waffenruhe, als ein Moment des Friedens. Selten war die Diskrepanz zwischen solch hehren Idealen und der politischen Wirklichkeit größer und offensichtlicher als in diesen Tagen. Während Wladimir Putin in Sotschi sich selbst und die schönen Seiten Russlands vor den Augen der Weltöffentlichkeit in Szene setzt, fließt auf Kiews Straßen Blut: Mehr als tausend Verletzte, mindestens 25 Tote – und ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

Russland hat mit wirtschaftlichem Druck und massiver politischer Einflussnahme das mit der EU ausgehandelte Assoziierungsabkommen der Ukraine verhindert und damit die Protestaktionen ausgelöst. Statt zur Deeskalation beizutragen hat Putin deutlich gezeigt, dass er entschlossen ist, selbst um den Preis hohen Blutzolls, diesen historischen Machtkampf um die Ukraine zu führen. Wenn Moskau jetzt versucht, dem Westen eine Mitverantwortung zuzuschieben, ist das genauso verlogen wie die Versuche von Präsident Viktor Janukowitsch, die Demonstranten auf dem Maidan-Patz für die schweren Ausschreitungen verantwortlich zu machen.

Nach der Blut-Nacht von Kiew wird in Europa der Ruf nach Sanktionen gegenüber der Ukraine immer lauter. Nichts wäre freilich schlimmer als eine Sanktionspolitik, die am Ende die Falschen trifft. Die Außenminister der Europäischen Union werden auf ihrer Sondersitzung daher sorgfältig prüfen müssen, welche Maßnahmen tatsächlich jene brutale und korrupte Machtclique strafen, die die Ukraine immer tiefer ins Chaos getrieben hat und die nun an der Hand Moskaus die Putinisierung der Ukraine betreibt.