Kommentar: Papst bei Kubas Kommunisten

Von Oliver Maksan

Oliver Maksan. Foto: DT
Oliver Maksan. Foto: DT

Wenn Papst Franziskus heute auf Kuba eintrifft, wird er eine herausgeputzte Insel sehen – wenigstens an den Stellen, auf die sein Blick fallen könnte. Das Regime wird sich von seiner besten Seite zeigen. Doch die Feiertagsstimmung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich noch immer um einen kommunistischen Polizeistaat handelt, der seinen Bürgern weder vollständige politische noch wirtschaftliche Freiheit gewährt. Noch immer werden Menschen ihrer politischen Gesinnung wegen weggesperrt, sorgt eine trotz vorsichtiger privatwirtschaftlicher Öffnung ineffiziente Wirtschaft dafür, dass viele Kubaner mit den Füßen abstimmen und ihre Heimat verlassen. Über diese drängenden Fragen wird der Papst mit Staatspräsident Raúl Castro ebenso sprechen wie über mehr Freiheiten für die Kirche. Dafür bringt der Gast aus Rom das nötige Gewicht mit. Der Anteil des Heiligen Stuhls am amerikanisch-kubanischen Tauwetter, das zur Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen geführt hat, ist groß – wenn auch das Interesse beider Seiten und die Vorarbeit nicht zuletzt ortskirchlicher Stellen in Rechnung zu stellen sind. Hinzu kommt das Prestige, das Franziskus international als moralische Autorität in Fragen sozialer Gerechtigkeit genießt. Dass er zudem als erster Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri die Insel besucht, lässt ihm die Herzen ohnehin zufliegen.

Franziskus kommt 17 Jahre nach der bahnbrechenden Visite Johannes Pauls II. Viel hat sich für die Kirche seither zum Besseren gewandt. Sie ist aus der Verborgenheit in die Öffentlichkeit getreten. In einer vorsichtigen Politik versucht die Hierarchie unter Kardinal Ortega seither, ihre Spielräume zu nutzen. Mit dem jetzigen Besuch hofft sie, ihre Nische ausweiten zu können. Doch dem sind Grenzen gesetzt. Eine Diktatur mag im karibischen Sonnenschein und morbiden Charme eines würdevoll verfallenden Havanna weniger abstoßend wirken. Echte bürgerliche und religiöse Freiheit können aber auch die Tropen-Kommunisten nicht zulassen, wollen sie die Kontrolle nicht verlieren. Und danach sieht es nicht aus.