Kommentar: Ohne Gott kein Friede

Von Guido Horst

Kinderarbeit gehört zur Kultur der Ausbeutung, zu der das globalisierte Wegschauen gehört. Foto: dpa
Guido Horst. Foto: DT

Sklaverei und Menschenhandel sind nicht abgeschafft, sondern leben in modernen Formen weiter, bedrücken Millionen Unschuldiger und belasten die gesamte Menschheit. Das war der Duktus, als Papst Franziskus am 2. Dezember mit führenden Vertretern der Weltreligionen und der christlichen Konfessionen im Vatikan zusammenkam, um eine Erklärung für die endgültige Abschaffung der real immer noch existierenden Sklaverei und Ausbeutung von Menschen zu unterschreiben. Und das ist auch das Kernthema der Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2015, die der Vatikan gestern veröffentlichte (siehe Seiten 14/15). Franziskus kommt auf zentrale Aussagen zurück, die zu einem roten Faden seines Pontifikats geworden sind: Die Verurteilung eines Weltwirtschaftssystems, in dessen Mittelpunkt nicht der Mensch, sondern der Götze Geld steht. Die Globalisierung einer Kultur der Gleichgültigkeit, die einfach wegschaut, wenn es um Not und Ausbeutung geht. Vor allem aber appelliert der Papst an alle Menschen guten Willens, den Ursachen der Menschenrechtsverletzungen auf den Grund zu gehen: Es ist die Sünde, die „das Herz des Menschen verdirbt und es von seinem Schöpfer und seinen Mitmenschen entfernt“. Dann wird der Nächste, der nach dem Abbild Gottes geschaffen ist, nicht mehr in seiner Würde, nicht mehr als Bruder, sondern als „Knecht“ der egoistischen Bedürfnisse anderer wahrgenommen.

Nicht die Strukturen, auch nicht anonyme Wirtschafts- oder Finanzsysteme stellt Franziskus somit in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, sondern schlicht und einfach die Gottesfrage. Wer tut das noch in einer Welt, in der Aktienkurse, die Erschließung wirtschaftlicher Märkte und strategische Interessen den Lauf der Dinge zu bestimmen scheinen? Das ist die große Aufgabe, vor der die Religionen dieser Welt stehen. Die Wiederentdeckung des Schöpfergotts. Und das Oberhaupt der katholischen Kirche hat derzeit die stärkste Stimme, um diesem Ruf nach Besinnung, nach Umkehr der Menschheit und ihrer politischen Führer Ausdruck zu verleihen.

Kinderarbeit gehört zur Kultur der Ausbeutung, zu der das globalisierte Wegschauen gehört. Foto: dpa