Kommentar : Notwendige Debatte

Was tun mit radikalen oder radikalisierten Muslimen? Nicht nur in Frankreich wird diese Frage wieder diskutiert, sondern auch in Deutschland. Doch die Politik spielt die drei Affen.

Debatte um Islam und Terrorismus
Ein Lastwagen ist im hessischen Limburg auf mehrere vor einer roten Ampel vor dem Landgericht stehende Fahrzeuge aufgefahren. Foto: Thorsten Wagner (dpa)

Von Kierkegaard wissen wir: Der Glaube ist die tiefste Leidenschaft im Menschen. Die Religion, zumal eine politische wie der Islam, entwickelt starke Kräfte und bedarf der Einhegung durch die Vernunft. Denn die geistige Gewalt eines Glaubens, der nicht unterscheidet zwischen Staat, Gesellschaft und Religion, kann aus der Welt ein Schlachtfeld machen. Gläubige und nicht säkularisierte Muslime sehen in dieser Einheit zwischen Welt und Glaube sogar ein Gebot (Din wa dunya wa dawla), das über jeder weltlichen Verfassung steht. Dieses Gebot macht jede demokratisch-freiheitliche Verfassung zweitrangig. Was zählt, ist das Recht der Religion, die Scharia (Pfad des Glaubens).

Religion, die sich der Ratio verweigert

Man muss nicht wie die Franzosen im neunzehnten Jahrhundert die nordafrikanische Region mit ihren islamischen Völkern als „Barbarie“ bezeichnen. Aber wer meint, radikalisierte Muslime blieben immer friedlich und oder seien demokratiefähig, nur weil sie in Frankreich oder Deutschland lebten, verkennt die psychologische Tiefenwirkung einer Religion, die sich der Ratio verweigert. Genau diese Erkenntnis wird in Frankreich seit dem mörderischen Attentat im Herzen der Sicherheitsbehörden heftig diskutiert. Was tun mit radikalen oder radikalisierten Muslimen? Wie erkennt man einen gewaltbereiten Islamisten? Und ist der Islam wegen seiner inneren Ambivalenz – friedfertig und gleichzeitig sprungbereit zur Gewalt, beides aus dem Koran ableitbar – per se ein Sicherheitsrisiko?

Viele Medien sehen nur eine Seite der Medaille

Fragen, die man sich auch in Deutschland nach dem LKW-Anschlag von Limburg stellt. Und wahrscheinlich bald wieder verdrängen wird: Weil der Zentralrat der Muslime sich wie gewohnt als Opfer sieht, weil die meisten Medien nur die eine Seite der muslimischen Medaille sehen wollen, weil die Politik die drei Affen spielt. Die notwendige Diskussion wird verdrängt – bis zum nächsten Attentat. Das wird kommen. Denn seit 2015 sind die Täter mitten unter uns.