Kommentar: Mission: Die DNA der Christen

Von Clemens Mann

Der Papst wird in stürmischem Jubel empfangen. Foto: dpa
Der Papst wird in stürmischem Jubel empfangen. Foto: dpa

Mission betreiben und jemanden zum christlichen Glauben bekehren – viele lehnen das ab. Weil Mission von Kirchenkritikern beharrlich, aber ungerechtfertigt, gleichgesetzt wird mit Zwang und Intoleranz, wiegen die Vorbehalte gegenüber einer offensiven öffentlichen Glaubensverkündigung oder einer offensichtlichen Verknüpfung von karitativen Engagement mit christlicher Spiritualität schwer. Bei den Jugendlichen aus dem deutschsprachigen Raum, die zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro gekommen sind, ist das nicht anders. Vielen ist es zwar ein Anliegen, ihre Begeisterung für den christlichen Glauben weiterzugeben – und sie tun es auch in vielfältigen Glaubenszeugnissen. Den wenigstens aber würde im Traum einfallen, sich ganz selbstverständlich und vor anderen als Missionare zu bezeichnen, die durch ihr Engagement genau das in ihrem Umfeld tun.

Doch vielleicht ändern einige bald ihre Sichtweise. Denn die „Mission Week“, die „Woche der Mission“ unmittelbar vor dem Weltjugendtag in Rio, zu der Gruppen aus der ganzen Welt in die brasilianischen Diözesen und Pfarreien gekommen sind, um Land, Leute und die Kirche vor Ort kennenzulernen, hielt wirklich, was der Name versprach. Sie rückte den Gedanken der christlichen Mission in den Mittelpunkt, war Experimentierlabor und Austauschplattform für die Jugendlichen. Weil die brasilianischen Gastgeber mit Leichtigkeit zeigten, wie sie ihr missionarisches Dasein in den Pfarreien und den Städten leben, könnte sie noch zu einem Glücksfall für die gesamte Weltkirche werden. Denn die Woche der Mission ging weit über eine normale Begegnung hinaus.

Schon jetzt hat Rio 2013, und das, obwohl das Treffen gerade erst begonnen hat und die großen Begegnungen der Jugendlichen mit Papst Franziskus jetzt erst kommen, die Wichtigkeit missionarischen Handelns in nie da gewesener Weise betont. Die brasilianischen Bischöfe sprechen die Jugendtagspilger in ihren Predigten als Missionare an. Und sie fordern sie zu einem missionarischen Einsatz für den christlichen Glauben auf, durch den eine gerechtere Welt entstehen kann.

Niemand kann sich diesen existenziellen und persönlichen Anfragen entziehen. Denn die krasse Lebenswirklichkeit in den brasilianischen Städten, in denen die unterschiedlichen Welten von Arm und Reich zusammenprallen, werfen diese Fragen automatisch auf. Die Not, die man hier an vielen Ecken unmittelbar sehen kann, lässt ein Verdrängen nicht zu. Gerade angesichts des Leids sind die missionarischen Zeugnisse der brasilianischen Gastgeber so beeindruckend. Sie verstecken sich nicht hinter den hohen Mauern, die die Kirchen hier umgeben, sondern sie gehen ganz selbstverständlich hinaus zu den Bedürftigen, Behinderten, Kindern und Kranken in den Favelas. Sie teilen Freud und Leid mit den Menschen. Sie beraten, unterstützen und beten mit ihnen. Sie zeigen: Christliche Mission ist kein fundamentalistisches Randgeschehen, sondern vielmehr Kernauftrag und entscheidender Teil einer christlichen DNA. Dies deutlich gemacht zu haben, ist ein wertvolles Geschenk, das die Katholiken in Brasilien bereits jetzt den Pilgern aus aller Welt in die Rucksäcke gelegt haben.