Kommentar: Kuba: Ein Erfolg des Papstes

Von Guido Horst

Guido Horst. Foto: DT
Guido Horst. Foto: DT

Die Erinnerung an die Kuba-Krise wird wach: Auf deren Höhepunkt im Oktober 1962 sandte Johannes XXIII. eine Bot-schaft an Nikita Chruschtschow und eine an John F. Kennedy. Die Gefahr eines dritten Weltkriegs wurde gebannt. Aber we-der in den Erinnerungen des damaligen sowjetischen Außenministers Andrej Gromyko noch in dem minutiösen Protokoll der tausend Tage des Präsidenten Kennedy aus der Feder von Arthur Schlesinger findet sich der geringste Beleg dafür, dass die Intervention des Papstes aus Rom dabei irgendeine Rolle gespielt hätte.

Das ist jetzt anders – jetzt, wo sich nach über sechzig Jahren der Konflikt zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten aufzulösen scheint. Zeitgleich haben am Dienstagabend Barack Obama und Raul Castro bei der Ankündigung der Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehung ihrer Staaten ausdrücklich dem Vatikan und vor allem Papst Franziskus für deren Vermittlung gedankt. Bereits im vergangenen März, als Obama mit dem Papst im Vatikan zusammentraf, müssen beide über Kuba gesprochen haben. Zwei Briefe von Franziskus sind sodann an den amerikanischen und den kubanischen Präsidenten gegangen, in denen es um den Austausch von Gefangenen ging, in Havanna um die Entlassung des inhaftierten Amerikaners Alan Gross, der jetzt in die Vereinigten Staaten ausreisen konnte. Ein großer Erfolg für den Papst, aber ebenso ein Verdienst der vatikanischen Diplomatie, die unter der Leitung von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin völlig diskret und geräuschlos gearbeitet hat – mit der Unterstützung des Episkopats in Kuba. Auch dürfte sich ausgezahlt haben, dass Kuba das einzige kommunistische Land der Erde war und ist, zu dem der Vatikan nie die diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatte. Vor aller Welt hat der Papst demonstriert, dass der Vatikan nach wie vor in der Lage ist, mit seiner moralischen Autorität und seinem diplomatischen Apparat für den Frieden und die Versöhnung der Völker zu arbeiten. Wäre das nur auch im Mittleren und Nahen Osten möglich, wo die Kirche auf der Stelle tritt.