Kommentar: Katholisches Schleudertrauma

Der Rücktritt des Geistlichen Direktors des Instituts für publizistische Nachwuchsförderung (ifp), Pfarrer Michael Broch, sorgt für Aufregung in Kirche und Medien. Man könnte meinen, die Kirche bedrohe die Meinungsfreiheit. Das ist albern. Die Art und Weise, wie jetzt gegen die Bischöfe geätzt wird, ist ebenso inakzeptabel wie aufschlussreich. Was ist vorgefallen? Broch hat mit vehement kirchen- und papstkritischen Positionen in einem Interview (siehe Seite 11) für Unmut unter Gläubigen und Bischöfen gesorgt. Unter anderem hatte er geäußert, dieser Papst fahre die Kirche an die Wand. Nun ist der Mann nicht irgendwer, sondern eben Geistlicher Direktor jener Einrichtung, die im Auftrag der Kirche Journalisten ausbildet. Wie wichtig eine solche Einrichtung ist – oder sein könnte –, dürfte den Bischöfen in den vergangenen Monaten zunehmend deutlich geworden sein. Dass Brochs Äußerungen Vertrauen zerstört haben, ist klar. Konsequenzen sind dann logisch. Man stelle sich vor, der Kommunikationschef eines Autokonzerns würde öffentlich die Haltung des Unternehmens kritisieren und erklären, der Vorstandsvorsitzende fahre den Konzern an die Wand. Keine 24 Stunden wäre er noch im Amt. Wen würde das wundern?

Schon richtig, Vergleiche hinken. Die Kirche verkauft keine Autos. Es geht um ungleich viel mehr. Und Broch verliert nicht alle Posten, er räumt lediglich einen mit besonderer Verantwortung. Nicht ein „gnadenloses System“ steht also zur Diskussion, sondern fehlende Grundloyalität, ohne die es vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht geben kann. Klar ist auch: Wenn die Kirche Journalisten ausbildet, muss es dabei einen katholischen Mehrwert geben, der über gute handwerkliche Ausbildung, für die das ifp bekannt ist, hinausgeht. Gibt es keinen nennenswerten Unterschied zu dem, was an den großen säkularen Journalistenschulen geboten wird, wozu dann eine katholische Journalistenschule? Dass es einen solchen Mehrwert nicht geben kann, wenn kirchenpolitische Stimmungsmache wichtiger ist als das „sentire cum ecclesia“, liegt auf der Hand. Nicht der Papst fährt die Kirche an die Wand. Wer ständig meint, ins Lenkrad greifen oder auf die Bremse treten zu müssen, der sorgt für einen gefährlichen Schlingerkurs. Katholische Schleudertraumen inklusive.