Kommentar: Kampf um Vatikan-Finanzen

Von Guido Horst

Was die Vatikan-Finanzen und die von Kardinal George Pell kräftig vorangetriebene Reform angeht, so herrscht nun „Krieg“. Schlimmer hätte es nicht kommen können: Kardinäle und Kurienprälaten bekämpfen sich mit Dossiers, Interviews und an die Medien durchgestochenen vertraulichen Dokumenten (siehe Seite 4). Eigentlich müsste Pell, der das Wirtschaftssystem des Vatikans revolutionieren will (und soll), wöchentlich im Rahmen der Tabellenaudienzen, die alle wichtigen Kurienleiter beim Papst haben, bei Franziskus laufend auf der Matte stehen. Das gesamte Finanzsystem des Vatikans aus dem neunzehnten, zwanzigsten Jahrhundert auf einen Schlag ins einundzwanzigste zu führen, verlangt eine starke Hand. Entweder die des Papstes oder die eines mit Vollmacht ausgestatteten Staatssekretärs. Aber der derzeitige, Kardinal Pietro Parolin, ist, wenn es um die Finanzen geht, schlecht aufgestellt. Pell ist nicht ihm, sondern nur dem Papst rechenschaftspflichtig. Und der Staatssekretär weiß selber nicht, was von seinem eigenen Amt übrig bleiben wird, wenn die Kurienreform abgeschlossen ist. Dass Pell regelmäßig dem Papst berichtet, davon sagen die offiziellen Audienzprotokolle nichts. Franziskus hat gewaltige Baustellen eröffnet.

Als im Oktober die Synode zu Ehe und Familie zu Ende ging, wussten viele Bischöfe und Kardinäle nicht, wie sie den unklaren Ausgang der Versammlung zuhause vermitteln sollten. Weihnachten hat der Papst keine Baustelle, aber ein Lazarett eröffnet: die Römische Kurie mit ihren fünfzehn Krankheiten. Die Verunsicherung wirkt nach. Die Finanzreform ist eine Baustelle mit Jahrhundertcharakter. Pell, der unangezweifelte Kompetenz mit dem Charme eines australischen Rugby-Spielers verbindet, zerschlägt, was historisch gewachsen ist. Das tut vielen weh. Da braucht es Führung, keinen Krieg in den Medien. Franziskus hat Baustellen eröffnet und sie Vorarbeitern überlassen: Kardinal Baldisseri das Synodensekretariat und Pell das Sekretariat für Finanzen. Das ersetzt aber den Bauherren nicht.