Kommentar: Janusköpfige Empfehlungen

Von Stefan Rehder

Stefan Rehder. Foto: DT
Stefan Rehder. Foto: DT

Zu den am meisten verbreiteten Irrtümern zählt wohl die Auffassung, wer einmal „A“ gesagt habe, müsse hinterher auch „B“ sagen. Was natürlich Unsinn ist. Denn bei „B“ angekommen, könnten die A-Sager auch festgestellt haben, dass „A“ ein Fehler war und ihn zu korrigieren suchen, statt alles noch schlimmer zu machen. Warum das auf dem Feld der Reproduktionsmedizin noch nie funktioniert hat, ist eine Frage, die zu beantworten sich lohnte. Denn dass es in der Reproduktionsmedizin um sehr viel Geld und um einen gigantischen Markt geht, der von einer milliardenschweren Industrie rücksichtslos bespielt wird, dürfte zwar ein zutreffender, aber noch kein hinreichender Grund sein. Denn nüchtern betrachtet, sind die Ergebnisse, die die „Kinderwunsch“-Industrie abliefert, geradezu erbärmlich. Selbst aufwendig frisierte „baby-take-home“-Raten liegen um die 30 Prozent und sind nur gegen gutes Geld und den Preis zahlreicher Risiken und Nebenwirkungen zu haben.

So gesehen wäre es oberflächlich, die Stellungnahme, die der Deutsche Ethikrat jetzt zu der facettenreichen Problematik der Embryonenspende und -adoption vorgelegt hat, als einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Lebensschutz zu betrachten. Auch wenn sich grundsätzlich begrüßen lässt, dass das Gremium die Praxis der Embryonenabgabe aus der rechtlichen Grauzone herausholen will, in welcher sich ein umstrittener Verein inzwischen häuslich eingerichtet zu haben scheint, und auch hervorgehoben werden kann, dass sich zumindest für einige der im Labor erzeugten und dann verwaisten Embryonen auf diese Weise eine Möglichkeit für ein Weiterleben eröffnen, so müssen die langfristigen Perspektiven doch ernüchternd. Nicht nur, dass die unethische künstliche Befruchtung auf diese Weise weiter zementiert wird, der Kreis ihrer Kunden wird erweitert. Denn interessant ist die Embryonenadoption in erster Linie als Alternative zu der verbotenen Leihmutterschaft und Eizellspende. Verfahren, die vor allem von homosexuellen Paaren genutzt werden, um so zu dem kommen, was die Natur ihnen verwehrt: Kinder (siehe Seite 3).