Kommentar: Israel und China für „den Pharao“

Von Stephan Baier

Wer keine große Verantwortung trägt, kann jetzt rasch noch sein Fähnchen in den Wind hängen und wie Außenminister Guido Westerwelle vom „Freiheitsgeist“ fabulieren. Doch weder die in Brüssel tagenden EU-Außenminister noch die in Addis Abeba beratenden Spitzen der Afrikanischen Union können die Dynamik in Ägypten nach ihrem Gusto steuern. Ob am Ende der Entwicklung Friedensnobelpreisträger El Baradei seine Heimat in Richtung Demokratie führt oder das einwohnerstärkste arabische Land der Muslimbruderschaft in die Hände fällt, hängt nicht von Brüssel, ja nicht einmal von Washington ab. Zumal, wenn der US-Präsident weiter nebulös für einen „geordneten Übergang“ wirbt, um sich alle Optionen offenzuhalten.

Sonderbare Allianzen entstehen da gerade international: Nicht nur westliche Optimisten, die auf einen Durchbruch zu Rechtsstaatlichkeit und Freiheit hoffen, spekulieren nun auf ein Ende des Regimes von Mubarak. Auch der Iran hofft, dass „der Pharao“ fällt und die Muslimbruderschaft als stärkste Oppositionskraft die Macht an sich reißt. Aus dem gleichen Grund ist Israel für eine Stabilisierung Mubaraks und unglücklich darüber, wie der Westen den Präsidenten Ägyptens im Stich lässt: Mubarak ist seit drei Jahrzehnten ein Garant für den Frieden zwischen Israel und Ägypten. Er setzte sich stets für den Frieden in Nahost ein und hielt die Muslimbruderschaft – deren Ableger die palästinensische Hamas ist – nieder. Das Ägypten von Sadat und Mubarak hat wie das Jordanien der Könige Hussein und Abdullah seinen Frieden mit Israel gemacht. Wenn der von Westerwelle gepriesene „Freiheitsgeist“ nun nach Ägypten auch Jordanien erfasst, wenn Islamisten aller Art mit iranischer und saudischer Hilfe in ihren Heimatländern Demokratie spielen können, dann ist es mit dem ohnedies fragilen Frieden in Nahost möglicherweise rasch vorbei. Deshalb ist der Iran derzeit gegen Mubarak – und Israel für ihn. Aber auch im fernen China hält man „dem Pharao“ die Daumen. In diesem Fall ist es pure Solidarität unter Autokraten.