Wien

Kommentar: Islam im Wandel

Österreichs Politik versucht, dem Wandel des Islam Rechnung zu tragen: mit harter Hand und klarem Ziel.

Islam in Österreich
Der Islam in Österreich ist heute multikulturell und ideologisch bunt. Im Bild: Ein Besucher des Islamischen Zentrums Wien. Foto: Herbert Neubauer (apa)

Österreichs Kultusminister war überzeugt, „dass die sittlichen Grundgedanken des Islam sich keineswegs in einem ausschließlichen Gegensatze zu den moralischen und ethischen Anschauungen des Okzidents befinden“. Er meinte, „dass weder die Kultusausübung noch die sonstige Betätigung religiösen Lebens seitens der Bekenner des Islam in Österreich irgendwie Anstoß erregen“. Drei Jahre später gewährte Kaiser Franz Joseph im Juli 1912 dem Islam eine Rechtsstellung in der Habsburger-Monarchie.

Islamgesetz für das 21. Jahrhundert?

Noch ein Jahrhundert später war die Republik stolz auf des Kaisers Islamgesetz. Der junge Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz meinte damals, die Muslime seien „ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft geworden“. Kurz wusste zugleich um die „Notwendigkeit, das Islamgesetz an das 21. Jahrhundert anzupassen“. Nicht nur Österreich hat sich verändert, sondern auch der Islam: 1912 ging es um Balkanslawen in Bosnien, die vom osmanischen Einfluss ferngehalten und integriert werden konnten. „Des Kaisers Bosniaken“ wurden für ihre Treue zum katholischen Kaiserhaus gerühmt.

Islam in Österreich multikulturell und ideologisch bunt

Heute ist der Islam in Österreich multikulturell und ideologisch bunt. Dass die Probleme explosionsartig gewachsen sind, ist offensichtlich: zwischen bosnischen Muslimen und afghanischen Paschtunen liegen nicht nur geografisch Welten. Dazu kommt jene Radikalisierung, die den Islam weltweit zu immer neuen Fieberschüben treibt. Österreichs Politik versucht, wie das Interview mit Integrationsministerin Raab auf Seite 5 zeigt, dem Wandel Rechnung zu tragen: mit harter Hand und klarem Ziel.

 

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