Teheran

Kommentar: Hey, lass uns reden

Die nah-mittelöstliche Konfliktlandschaft bietet deshalb noch kein bukolisch friedliches Gemälde. Aber das Gerede vor allem deutscher Experten von einem Flächenbrand ist akademisch vorgetragener Unsinn.

Raketenangriffe auf Stützpunkte im Irak
Der Islam macht die Völker unfähig zur friedensstiftenden Demokratie, es geht in dieser Region nicht ohne Hegemon. Im Bild: Ein Demonstrant schwenkt in Bagdad während eines Protests gegen den iranischen Raketenangriffe auf US-Stützpunkte im Irak. Foto: Khalid Mohammed (AP)

Der Krieg findet nicht statt. Die "apokalyptische" Reaktion, die das iranische Regime auf den Tod ihres Generals Suleimani den USA angedroht hatte, war nur lautes Feldgeschrei. Ein paar Raketen auf zwei Militärbasen im Irak werden von der iranischen Propaganda in einer Endkampf-Rhetorik auf einen Großangriff mit achtzig Toten aufgeblasen, von denen jeder ein Phantom ist   so wie das Kriegspotenzial des Regimes allgemein. Man kann das Feldgeschrei auch als Signal deuten: Hey, Amis, wir wollen Euch eigentlich nichts, lasst uns reden.

Trump beruhigt die Mullarchie

Zwei andere Signale, von amerikanischer Seite, sind eindeutiger und schon deshalb wichtiger. Zum einen besagt der chirurgisch-präzise Sensenschnitt am Flughafen von Bagdad, der den General und führende Terroristen der schiitischen Miliz im Irak aus dem Gefechtsfeld herausoperierte, folgendes: Wir können jeden von Euch treffen, jederzeit und egal wo ihr seid. Zum anderen beruhigt Trump die Mullarchie, wenn er sagt, es gehe ihm nicht um einen Regimewechsel im Iran. Das hat man in Teheran verstanden. Das leise Pfeifen der Raketen über den amerikanischen Basen war wie eine Bestätigung.

Es geht in der Region nicht ohne Hegemon

Die nah-mittelöstliche Konfliktlandschaft bietet deshalb noch kein bukolisch friedliches Gemälde. Aber das Gerede vor allem deutscher Experten von einem Flächenbrand ist akademisch vorgetragener Unsinn. Man mag eine Erkenntnis im hilf- und ratlosen Europa bedauern, aber es ist so: Der Islam macht die Völker unfähig zur friedensstiftenden Demokratie, es geht in dieser Region nicht ohne Hegemon. Selbst die Türkei mit ihren immerhin jahrzehntelangen demokratischen Erfahrungen demonstriert derzeit, wie die unheilige Allianz zwischen Islam und Machtkonzentration auf eine Person (früher der Sultan oder Kalif) zu aggressiven Ausfällen über die eigenen Grenzen hinweg führt. Und das macht das Bedauern der Europäer fast zur Depression: Der kriegsneutralisierende Hegemon muss von außen kommen. Wenn er dafür sorgt, dass Terror und Gewalt eingedämmt werden, so wie Washington es derzeit mit Iran tut, dann ist schon viel gewonnen.

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