Kommentar: Für Kinder konkurrenzlos

Von Regina Einig

Der Eucharistische Weltkongress in Irland rückt eine christliche Kernkompetenz in den Fokus: Versöhnung. Wie sich die Institution dieser Aufgabe stellt, wird im Kleinen nachwirken. Ohne die bitteren Wunden des Missbrauchsskandals schönzureden, zeigen vor allem die Katechesen, dass auch aus Katastrophen Positives wachsen kann. Selten hat eine kirchliche Großveranstaltung so viel Wachsamkeit für das fragile Pflänzchen Ehe und für das Schicksal von Kindern vermittelt. Konsequenterweise verengen die Beiträge Fragen zu Ehe und Familie nicht auf einschlägige Reizthemen.

Für die Ortskirchen ist das ein wertvoller Impuls: Entschlössen sich viele Pfarreien dazu, mehr Zeit und pastorale Energie in die Frage zu investieren, wie sie heute zur Stabilisierung christlicher Ehen beitragen können, bliebe Familien viel Leid erspart und nicht wenigen Kindern gelänge ein besserer Start ins Leben. Wie der Zusammenhalt der Familien gefördert und die Misere der Scheidungswaisen gelindert werden kann, fällt in innerkirchlichen Dialogrunden derzeit nicht so stark ins Gewicht wie die Frage der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. Für die Familienpastoral bietet der Eucharistische Weltkongress ein wertvolles Korrektiv: Die Katechesen heben immer wieder die Verantwortung der ganzen Gemeinde füreinander hervor – Geschiedene eingeschlossen.

Unabhängig vom individuellen Wohlstand haben sich die Lebensverhältnisse der Kinder auf dem Globus angeglichen: Das größte Leidensrisiko bedeutet für sie die Scheidung oder Trennung ihrer Eltern. Die Überzeugung, dass die lebenslange Ehe von Mann und Frau nach wie vor ein konkurrenzloses Modell für die Entwicklung des Nachwuchses darstellt, wirkt auf viele Zeitgenossen zwar exotisch. Nicht zu übersehen ist aber, dass auch in der säkularen Öffentlichkeit nicht alles Mainstream ist. Der „Patchwork-Lüge“ entgegenzuwirken betrachten nicht nur fromme Beter als ihre Aufgabe. Warum sollte die Kirche ihr Licht unter den Scheffel stellen?