Kommentar: Franziskus macht mobil

Guido Horst. Foto: DT
Guido Horst. Foto: DT

Es war ein starker Appell, mit dem Papst Franziskus am Sonntag für den Frieden in der Welt, vor allem im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere aber gegen den Krieg in Syrien aufgerufen hat. Wortlaut und Umstände stellen diesen Aufruf in eine Reihe mit den großen Warnungen vor „dem sinnlosen Gemetzel“, die Johannes Paul II. vor den letzten beiden Kriegen gegen Saddam Hussein an den Westen richtete. Papst und Vatikan haben sich klar gegen den Kriegstreiber und Friedensnobelpreisträger Barack Obama positioniert. Gewalt schafft immer wieder Gewalt, Krieg gebiert neue Kriege und Konflikte. Die Abscheu, die Franziskus bei den Bildern und Nachrichten vom Giftgasangriff auf Wehrlose empfand, verbindet er mit der Einsicht, das nur Begegnung und Dialog, die kluge Diplomatie, den Weg zum Frieden ebnen.

Dem Appell vom Sonntag vorausgegangen war ein Treffen des Papstes mit seinen engsten Mitarbeitern des Vatikans. Franziskus formulierte den Aufruf nicht nach dem Gebet des „Engels des Herrn“, sondern machte ihn zum Thema seiner Ansprache zum „Angelus“. Sofort hat das vatikanische Presseamt den Appell in den wichtigsten Sprachen veröffentlicht. Für kommenden Samstag hat der Papst die Weltkirche zum Gebet und zum Fasten aufgerufen – bevor in Washington wenige Tage später der Kongress zusammentritt, um über den Angriff auf Syrien zu entscheiden. Von 19 bis 24 Uhr will sich der Papst selber mit Gläubigen in Gebet und Buße auf dem Petersplatz versammeln, um von Gott den Frieden für Syrien zu erbitten. Franziskus wünscht, dass man am Samstag überall in den Teilkirchen fastet und Liturgien stattfinden. Der Jesuiten-Papst macht mobil. Er nimmt die Bischöfe in die Pflicht. Und Maria, die Königin des Friedens, deren Fest der Geburt man dann am 8. September feiert, soll helfen, den Frieden zu finden. Wie viele Divisionen hat der Papst? Keine. Aber was ist, wenn die ganze Kirche fastet und betet? Stärker könnte das Signal nicht sein, das Papst Franziskus jetzt gesetzt hat. Daran kommen die Mächtigen der Welt nicht vorbei.