Kommentar: Es geht nicht nur bergab

Von Stefan Rehder

Stefan Rehder. Foto: Archiv
Stefan Rehder. Foto: Archiv

Bisweilen hat es den Anschein, als müssten Lebensrechtler verzweifeln. Denn das Tempo, mit dem sich die „Kultur des Todes“ über den Globus ausbreitet, ist oft atemraubend. Vielerorts stürmen „Agenten des Todes“ die Barrikaden, die Rechtsstaaten einst errichteten, um Leib und Leben ihrer Bürger zu schützen. Schlimmer noch: Viele von denen, die qua Amt berufen sind, derartige Befestigungen zu verteidigen, haben die Seiten gewechselt. Da sponsert in Deutschland die Bundesregierung die Entwicklung eines Gentests, mit dem zuverlässiger und früher als bisher nach Kindern mit Trisomie 21 gefahndet werden kann. Da erwägen Politiker in Belgien, die „Tötung auf Verlangen“ auf Minderjährige und Demente auszudehnen. Da sucht in Polen ein Regierungschef die In-Vitro-Fertilisation an Parlament und Volk vorbei einzuführen; wohl wissend, dass ihr die Selektion von im Labor erzeugten Kindern auf dem Fuße folgt. Und doch geht es mit dem Lebensschutz nicht bloß bergab.

Hier und da werden inmitten der Trümmer längst geschleifter Festungen auch neue Bollwerke gegen den Egoismus der Starken und die Vernichtung der Schwachen und Wehrlosen errichtet. So hat jetzt der Republikaner Jack Dalrymple, Gouverneur des US-Bundesstaates North Dakota, ein Gesetz unterzeichnet, das Ärzten die Tötung eines Kindes im Mutterleib verbietet, sobald sein Herzschlag nachgewiesen werden kann. Beim Menschen ist dies regelmäßig ab der fünften Schwangerschaftswoche der Fall. Zuvor hatte bereits der Bundesstaat Arkansas ein Gesetz erlassen, das vorgeburtliche Kindstötungen „nur“ noch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt. Begründet wurde der Kompromiss, mit dem Republikaner und Demokraten ein Veto von Gouverneur Mike Beeb überstimmten, damit, dass zu diesem Zeitpunkt der Herzschlag auch im Ultraschall hörbar sei. Hierzulande stoppte der Protest von Lebensrechtlern, Ärzten und Bischöfen ein Gesetz, das nur die „gewerbsmäßige“ Beihilfe zum Suizid unter Strafe stellen wollte. Der Weg bergauf mag noch beschwerlicher geworden sein, doch er bleibt bahn- und begehbar.