Kommentar: Einer, der fehlen wird

Von Guido Horst

Guido Horst
Guido Horst. Foto: DT
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Guido Horst. Foto: DT

Ein großer Kirchenmann ist von der Bühne abgetreten. Einer, der sich nicht hinter seinem Schreibtisch verschanzte oder die Zeit nur in Sitzungen verbrachte. Kardinal Joachim Meisner hatte eine Leidenschaft dafür, den Glauben zu verkünden. Das tat er wortgewaltig und mit griffigen Sätzen. Aber auch in den eher (kirchen-)politischen Auseinandersetzungen half ihm seine Redegewandtheit. 1988 von Johannes Paul II. von Berlin in die Domstadt am Rhein geschickt, stieß er auf eine breite Front an Ablehnung. Als er schließlich „installiert“ war, fand er die Formulierung: „Ich habe euch nicht gewollt, ihr habt mich nicht gewollt, das ist eine Gemeinsamkeit, auf der man aufbauen kann.“

Kardinal Meisner war ein Mann von weltkirchlichem Format. Mit Karl Wojtyla, dem großen Polen auf dem Petrusstuhl, war er, der Schlesier, seelenverwandt. Und mit Benedikt XVI. verband ihn eine tiefe Freundschaft, die schließlich auch den Schock des Papstrücktritts verkraftet hat. Unter dem lateinamerikanischen Papst wurde das anders. Meisner hat den synodalen Prozess zu Ehe und Familie kritisch begleitet, das Schreiben „Amoris laetitia“ forderte ihn dazu heraus, den Brief mit den berühmten „dubia“ an Franziskus zu unterschreiben. Bitter war es für den Kirchenmann, als er in den letzten Jahren erleben musste, dass sich ihm in Rom die Türen immer mehr verschlossen.

Meisner war ein Mann des Lebensschutzes. Am hohen „C“ der deutschen Unionspartei ist er oft verzweifelt. Seine Einlassungen waren zum Teil polemisch – aber er hat sich nie versteckt. Seine Devise, dass die Hirten Furchen im Acker ziehen müssen, damit die anderen säen können, hat er selber als erster befolgt. Und im Episkopat ging er voran, als in einem langen Ringen um den Schwangerenberatungsschein die Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf dem Spiel stand. Auch wer sein Gegenspieler war, musste eingestehen, dass Meisner ein Mann klarer Prinzipien und authentischer Überzeugungen war. Nie hat er sein Fähnchen nach dem Wind gedreht. Seine Glaubensstärke wird der Kirche fehlen.